GEMÄLDE DES 19. JAHRHUNDERTS 18. SEPTEMBER 2026
144 Historische Ansichtskarte mit Blick ins Lauterbrunnental, Jean Gabrell, Photographische Anstalt Thalwil Das Lauterbrunnental im Berner Oberland gehört mit seinem ein- drücklichen Landschaftsbild und den mehr als siebzig Wasser- fällen zu den schönsten Orten der Schweiz. Auch der Maler Hans Thoma, der Zeit seines Lebens zahlreiche Schweizreisen unter- nahm, war beeindruckt von der monumentalen Landschaft. In sei- ner Autobiografie beischreibt der Künstler, wie er im Entstehungs- jahr des Gemäldes auf Einladung des Grossherzogs Friedrich I. von Baden (1826–1907) eine Schweizreise unternahm, die vom Geogra- phen Georg Gerland (1833–1919) begleitet wurde und die Thoma auch ins Lauterbrunnental führte (siehe Hans Thoma: Im Winter des Lebens. Aus acht Jahrzehnten gesammelte Erinnerungen, Jena 1919, S. 114 u. S. 123). Der starke Eindruck, den die majestätische Berglandschaft auf Thoma gemacht hat, wird im vorliegenden grossformatigen Ge- mälde, das zweifelsohne ein Hauptwerk von musealem Rang in dessen Oeuvre darstellt, auf wunderbare Weise deutlich. Wohl von der Aussichtsplattform auf der Schynige Platte aus eröffnet uns der Maler den Panoramablick über das Tal auf das legendäre Breithorn. Thoma verzichtet dabei auf eine Figurenstaffage, was die Unmittelbarkeit seiner Naturdarstellung zusätzlich steigert und den Betrachter zum Protagonisten seines Gemäldes macht, indem er ihn direkt dem Alpenpanorama gegenüberstellt. Die Wol- kenbänder, die das Bild durchziehen und der gewisse Grad an Abstraktion, den Thoma durch die malerische Ausformulierung der Gebirgsstruktur erzielt, rücken das hier angebotene Gemäl- de gleichzeitig in die Nähe von Alpendarstellungen anderer gros- ser Meister, wie beispielsweise die von Thomas Zeitgenossen Ferdinand Hodler (1853–1918). Thoma, der bevorzugt Landschaften malte, fand in der Schweiz viele malerische Gegenden, die er in seinen Gemälden festhalten konnte. Neben unserem Meisterwerk, das zu den grossformatigsten Land- schaftsgemälden Thomas zählt, existiert beispielsweise noch eine wunderbare Ansicht auf den Rheinfall bei Schaffhausen, heute in der Kunsthalle Bremen (Inv.-Nr. 241-1902/1), oder ein Blick vom Pilatus, der 2018 bei Koller versteigert wurde (A184 Los 3262). Die grosse Bedeutung des hier angebotenen Werkes bestätigt zu- dem seine sehr umfangreiche Ausstellungs- und Publikationsge- schichte. Kurz nachdem das Gemälde Thomas Atelier verlassen hat, wurde es bereits in den Ausstellungen wichtiger deutscher Kunstver- eine gezeigt. Im Jahr 1924 tourte das Gemälde dann durch namhafte Schweizer Museen und war in diesem Zuge auch in Zürich zu sehen. Es freut uns daher besonders, dieses hervorragende und in so vielen Belangen einzigartige Hauptwerk Tomas nun nach über 100 Jahren wieder in Zürich der Öffentlichkeit präsentieren zu dürfen. CHF 60 000/80 000 (€ 65 220/86 960)
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