GEMÄLDE DES 19. JAHRHUNDERTS 18. SEPTEMBER 2026
132 3204 CARL SPITZWEG (1808 München 1885) Strasse in Cairo. Um 1850–55. Öl auf Leinwand. 41,2 × 33,2 cm. Gutachten: Prof. Dr. Siegfried Wichmann, Starnberg, Juli 2004. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. Literatur: - Fritz von Ostini: Der Maler Karl Spitzweg, Bielefeld, S. 30. - Günther Roennefahrt: Carl Spitzweg. Beschreibendes Verzeichnis seiner Gemälde, Ölstudien und Aquarelle, München 1960, S. 304, Nr. 1511. Im vielschichtigen Oeuvre von Carl Spitzweg findet sich eine sehr reiz- volle Werkgruppe mit orientalischen Motiven, darunter Basare, Wasser- pfeife rauchende Männer, Teppichhändler oder Kaffeehausbesucher. Dass sich Spitzweg besonders für diese exotischen Darstellungen in- teressierte, zeigen zudem die vielen orientalischen Figuren in seinem umfangreichen zeichnerischen Werk. Den wohl wichtigsten Impuls für Spitzwegs Orientbegeisterung gaben dessen Reisen 1851 zur Industrieausstellung nach Paris und anschlies- send zur Weltausstellung nach London. In diesen Kunstmetropolen kam er mit der Kultur Vorderasiens und Nordafrikas sowie mit orienta- listischer Kunst von Malern, wie Horace Vernet (1789–1863), Alexandre Decamps (1803–1860) und Prosper Marilhat (1811–1847), in Kontakt. Dem hier zur Auktion kommenden Werk Spitzwegs liegt das Gemälde „La mosquèe d’Hassan et le bazaro au Caire“ von eben jenem Prosper Marilhat zugrunde, welches Spitzweg bei einem Besuch der gräflich Schönbornschen Gemäldesammlung auf Schloss Weissenstein in Pommersfelden gesehen hat. Angeregt durch dieses Kunstwerk ent- wickelt Spitzweg seine Ansichten exotischer Strassenzüge weiter und greift das Thema in weiteren Gemälden auf (siehe etwa Siegfried Wichmann: Carl Spitzweg. Verzeichnis der Werke. Gemälde und Aquarelle, Stuttgart 2002, S. 281, Nr. 548). Vorliegendes Bild zählt zu den kunsthistorisch bedeutendsten orient alistischen Gemälden Spitzwegs, was auch das ausführliche Gutach- ten von Prof. Siegfried Wichmann, das dem Gemälde beiliegt, bezeugt. Das Werk besticht besonders durch die wunderbare Atmosphäre, die Spitzweg im Gemälde durch das Spiel von Licht und Schatten und die warme Farbigkeit zu erzeugen weiss. Die belebten und verwinkelten Gassen, die von orientalischer Architektur gesäumt sind, entführen den Betrachter in eine Welt, wie sie viele Orientreisende des 19. Jahr hunderts zu sehen bekamen. CHF 25 000/35 000 (€ 27 170/38 040)
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