GEMÄLDE ALTER MEISTER 18. SEPTEMBER 2026

10 3005* MEISTER VON ST. SIGMUND (tätig in Südtirol um 1426–1450) Wohl Predigt des Heiligen Ambrosius von Mailand. Öl auf Holz. 62 × 55,5 cm Provenienz: - Sammlung Burg Kreuzenstein, Tirol. - Europäischer Privatbesitz. Literatur: Otto Pächt: Österreichische Tafelmalerei der Gotik, S. 77. Mit einer kunsthistorischen Analyse von Prof. Gaudenz Freuler, Juli 2026. Die vorliegende Tafel zeigt die Predigt eines heiligen Bischofs, der sich mit dem klassischen Gestus der persuasio an eine aufmerk- sam lauschende Zuhörerschaft wendet. Die dargestellte Szene kann dabei als Predigt des Heiligen Ambrosius von Mailand ver- standen werden. Für diese Interpretation sprechen insbesondere die beiden Figuren im Vordergrund, die als der junge Augustinus und seine Mutter Monika identifiziert werden könnten. Der Legen- da Aurea und den Confessiones zufolge reisten beide nach Mai- land, um die berühmten Predigten des Ambrosius zu hören. Die vorliegende Tafel wurde bereits in einem Gutachten von Prof. Dr. Ernst Buchner (München, 1955) dem anonymen Meister von St. Sigmund zugeschrieben, der seinen Notnamen dem 1435 ent- standenen Flügelaltar der Pfarrkirche St. Sigmund in der Gemein- de Kiens im Pustertal (Südtirol) verdankt. Übereinstimmungen in Figurentypus, Physiognomie und räumlicher Auffassung weisen engste stilistische Beziehungen zwischen der uns vorliegenden Tafel und dem namengebenden Altarwerk auf und stützen die Zuschreibung an den Meister von St. Sigmund in überzeugender Weise. Dessen Stil ist durch eine lebhafte Bildsprache und ausdrucksstar- ke Figurenwelt geprägt, deren Typik auf die böhmische Kunst des späten Trecento und die höfische Malerei Böhmens und Ungarns unter Kaiser Sigismund von Luxemburg zurückgeht und sich über Österreich bis ins südliche Tirol verbreitete. Weitere dem Meister von St. Sigmund zugeschriebene Werke befinden sich heute im Wallraff-Richartz-Museum in Köln sowie im Kunstmuseum Basel. Wir danken Prof. Gaudenz Freuler für die wissenschaftlichen Un- terstützung bei der Katalogisierung dieses Gemäldes. CHF 7 000/10 000 (€ 7 610/10 870)

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