GEMÄLDE ALTER MEISTER 18. SEPTEMBER 2026
12 3007 MARINUS VAN REYMERSWAELE, Nachfolger des 16. Jhs. (Reymerswaele um 1493–um 1546 Goes) Der Geldwechsler und seine Frau. Öl auf Holz. 85,7 × 112,4 cm. Provenienz: - Auktion Lempertz, Köln, 26.2.1918, Los 66 (als Quentin Massys, Werkstatt). - Auktion Fischer, Luzern, 5.9.1922. - Wohl Kunsthandel Schulthess, Basel. - Schweizer Privatsammlung, seit 1982. Ausstellung: Bern 1944/45, Gemälde und Zeichnungen alter Meister, Kunsthandwerk aus Privatbesitz, Kunstmuseum, Oktober 1944 – März 1945. Literatur: - Anne Milkers: Omtrent Marinus van Reymerswaele, unpubli- zierte Dissertation, Universität Gent 1985, S. 193–94, Nr. 4 und S. 195 (als Cornelis van der Capelle, zugeschrieben). - Ausst.-Kat. Gemälde und Zeichnungen alter Meister, Kunst- handwerk aus Privatbesitz, hrsg. von Berner Kunstmuseum, Bern 1944/45, S. 9 und 13, Kat.-Nr. 52. Dieses Gemälde ist eine bedeutsame Wiederentdeckung, die sich während mehrerer Jahrzehnte in einer Schweizer Privat- sammlung befand. Die Komposition bezieht sich auf einen im 15. und 16. Jahrhundert beliebten Bildtypus und wurde von einem begabten flämischen Nachfolger von Marinus van Reymerswaele nach einer heute verschollenen Vorlage gemalt. Marinus greift dabei auf Kompositionen von Quentin Massys (1465–1530) zurück, die in mehreren Variationen bekannt sind. So bezieht sich das hier angebotene Gemälde auf Massys‘ Dar- stellung des Geldwechslers im Louvre (Öl auf Holz, 70,5 × 67 cm, Inv.-Nr. 1444). Eine weitere Version des Themas von Mari- nus befindet sich im Museo Nacional del Prado in Madrid (Öl auf Holz, 83 × 97 cm, signiert und datiert Marinus me fecit a° 1539, Inv.-Nr. P2567). Es ist nicht klar, ob diese Komposition einen Geldwechsler, ei- nen Händler, einen Bankier oder einen Kreditgeber zusammen mit seiner Frau darstellt. Die präzise Wiedergabe der im Vor- dergrund dargestellten Münzen ermöglicht die Identifizierung verschiedener Währungen, die in den Ländern Mitteleuropas im Umlauf waren. Dies erklärt die Aufgabe des Geldwechslers, das Gewicht jeder einzelnen Münze zu prüfen, um ihren genau- en Wert zu bestimmen und sie zum gesetzlichen Wechselkurs umzutauschen. Diese Personen waren ausserdem dafür verant- wortlich, Darlehen zu vergeben und Geld als Einlagen entge- genzunehmen, wodurch sie zugleich die Funktion von Bankiers ausübten. Seit dem 15. Jahrhundert wurden Handbücher veröffentlicht, die Auskunft darüber gaben, welche ausländischen Münzen im jeweiligen Herrschaftsgebiet im Umlauf waren und zu wel- chem Wechselkurs sie gehandelt wurden. Solche Handbücher könnten dem Maler als Vorlagen für die Darstellung der Mün- zen in diesem Gemälde gedient haben. (Siehe Christine Seidel: „The Case of Marinus“, in: Ausst.-Kat. Marinus. Painter from Rey- merswaele, hrsg. von Christine Seidel, Madrid 2021, S. 20–22). Wir danken Dr. Adri Mackor für die wissenschaftliche Unterstüt- zung bei der Katalogisierung dieses Loses. Dieses Gemälde ist im RKD, Den Haag, archiviert. CHF 25 000/35 000 (€ 27 170/38 040)
RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2