GEMÄLDE ALTER MEISTER 18. SEPTEMBER 2026
2 3001* AGNOLO GADDI (um 1350 Florenz 1396) Heilige Elisabeth von Thüringen mit Rosen. Tempera und Goldgrund auf Holz. 23 × 21 cm. Provenienz: - Wohl Sammlung Charles Loeser (1864–1928), Florenz. - Sammlung Dr. A. Steinheim, Amsterdam, um 1930. - Kunsthandel Heim-Gairac, Paris, um 1955. - Kunsthandel Pieter de Boer, Amsterdam. - Sammlung Loeff-Visser, Rotterdam, ab 1957 (zusammen mit einer weiteren Tafel mit Antonius von Padua aus dem selben Altarkomplex von Agnolo Gaddi, Abb. 1). - Europäische Sammlung. Literatur: Federico Zeri: Italian Paintings. A Catalogue of the Collection of The Metropolitan Museum of Art. Florentine School, New York 1971, S. 48–49. Mit einer kunsthistorischen Analyse von Prof. Gaudenz Freuler, Juli 2026. Die vorliegende kleine Tafel mit der Darstellung der Heiligen Eli- sabeth von Thüringen gehörte mit grosser Wahrscheinlichkeit zur Predella eines heute verschollenen Altarwerks von Agnolo Gaddi. Obwohl dessen Haupttafeln bislang nicht identifiziert werden konnten, lassen sich mindestens zwei weitere, stilis- tisch und technisch eng verwandte Predellentafeln demselben Werkzusammenhang zuordnen. Es handelt sich dabei um eine Darstellung des Heiligen Antonius von Padua, die 2023 im Rot- terdamer Kunsthandel auftauchte (Abb. 1), sowie um eine Tafel mit der Heiligen Margareta von Antiochien imMetropolitan Mu- seum of Art, New York (Inv.-Nr. 41.190.23) (Abb. 2). Die drei Täfelchen stimmen in Massen, Ausführung und ins- besondere den punzierten Bordüren vollständig überein und gehörten wohl ursprünglich zu einem einzigen Altarwerk. Auf- grund ihres Formats dienten sie vermutlich in der Predella als äussere Eckelemente sowie als Abschluss beziehungsweise Basis der seitlichen Pilaster. Die Ikonographie liefert dabei wich- tige Hinweise auf den ursprünglichen Bestimmungsort des Retabels. Die Darstellung der für den Franziskanerorden be- deutenden Heiligen Elisabeth von Thüringen und Antonius von Padua sowie der Heiligen Margareta von Antiochien spricht für einen Altar in einer franziskanischen Kirche. Noch wahrschein- licher ist jedoch eine Herkunft aus einer Klarissenkirche, da mit Elisabeth und Margareta zwei weibliche Heilige besonders her- vorgehoben werden. Die Zuschreibung an Agnolo Gaddi wird durch stilistische und historische Argumente gestützt. Als Sohn und Schüler Taddeo Gaddis (1290–1366), des bedeutendsten Nachfolgers Giottos (1267–1337), war er eng mit dem Franziskanerorden und der Kir- che Santa Croce in Florenz verbunden. Dort schuf er unter ande- rem den Freskenzyklus der Kreuzauffindung in der Chorkapelle sowie jenen der Cappella Castellani. Agnolo Gaddi war ein bedeutender Vertreter der florentinischen Spätgotik. Er führte das Erbe Giottos über Taddeo Gaddi fort und entwickelte den giottesken Stil mit hellerem Kolorit, feinerer Lini- enführung und eleganter spätgotischer Bewegtheit weiter. Die- se Entwicklung erreichte später in den Werken seines Schülers Lorenzo Monaco (um 1370–1425) ihren Höhepunkt. Die drei hier behandelten Predellentafeln spiegeln Agnolos Spätstil in exemplarischer Weise wider. Die fein modulierte Zeich- nung, die vereinfachte, zugleich verfeinerte Formensprache so- wie die zarten Pastelltöne sprechen für eine Entstehung in den frühen 1390er-Jahren. Charakteristisch für Agnolos reifes Schaf- fen ist jene Verbindung von monumentaler, auf Giotto zurückge- hender Bildauffassung mit einer eleganten, erzählerischen und anmutenden Stimmung, in der sich zugleich der dekorative Ein- fluss der sienesischen Malerei widerspiegelt. Wir danken Prof. Gaudenz Freuler für die wissenschaftliche Un- terstützung bei der Katalogisierung dieses Loses. CHF 40 000/60 000 (€ 43 480/65 220) Abb. 1 Heiliger Antonius von Padua, Privatsammlung Abb. 2 Heilige Margareta von Antiochien, Metropolitan Museum, New York. Public domain.
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