GEMÄLDE ALTER MEISTER 18. SEPTEMBER 2026

20 3013 MEISTER IW (tätig zwischen 1520–1550, Nordwestböhmen) Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers. Öl auf Holz. 47,8 × 31,1 cm. Provenienz: - Aus der Fürstlich Fürstenbergischen Sammlung in Donaue- schingen. - Sammlung Stückelberger, um 1921. - Sammlung Mitzakis. - Auktion Ader Picard & Tajan, Palais Galliéra, Paris, 7.12.1971, Los 11 (als Lucas-Cranach-Schule). - Auktion Galerie Fischer, Luzern, 20.–21.6.1975, Los 388 (als Werkstatt Cranach d. Ä.). - Galerie Fischer, Luzern, 1984. - Schweizer Privatbesitz. - Durch Erbschaft an heutigen Besitzer, Privatsammlung Schweiz. Literatur: - Alfred Woltmann: Fürstlich Fürstenbergische Sammlungen zu Donaueschingen. Verzeichniss [sic] der Gemälde, Karlsruhe 1870, S. 48, Nr. 102. - Heinrich Feurstein: Fürstlich Fürstenbergische Sammlungen zu Donaueschingen. Verzeichnis der Gemälde. 3. Auflage. Donaueschingen 1921, Nr. 102. - Max J. Friedländer und Jakob Rosenberg: Die Gemälde von Lucas Cranach, Berlin 1932, erwähnt auf der Seite 66 bei Nr. 191. - Max J. Friedländer und Jakob Rosenberg: Die Gemälde von Lucas Cranach, Basel/Stuttgart 1979, erwähnt bei Nr. 232a. Dieses Bildnis der Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers, das kürzlich in einer Schweizer Privatsammlung wiederentdeckt wurde, ist ein aussergewöhnliches und qualitätvolles Beispiel für das Schaffen eines nordwestböhmischen Künstlers, der heute unter dem Namen Meister IW oder Monogrammist I.W. bekannt ist. Der Maler war ursprünglich Schüler von Lucas Cranach d. Ä. (um 1472–1553) und arbeitete in dessen Werkstatt in Witten- berg. Bereits vor 1525 muss er die Cranach-Werkstatt verlassen haben, denn eine auf 1525 datierte Darstellung der Lucretia trägt das Monogramm IW, unter dem er nach dem heutigen Stand der kunsthistorischen Forschung bekannt ist (siehe Corpus Cranach, Inv.-Nr. CC-MHM-200-047). Zu seinen Hauptwerken zählt der Al- tar aus Želina, der sich heute im RegionalmuseumChomutov (Ko- motau) befindet (siehe Corpus Cranach, Inv.-Nr. CC-ALT-580-000). Seit dieser Zeit war er als selbstständiger Künstler in Böhmen tä- tig, auch wenn seine Identität bis heute unbekannt geblieben ist. Ein weiteres Werk aus der ehemaligen Donaueschinger Samm- lung, das enge stilistische Parallelen zum vorliegenden Gemäl- de aufweist und ebenfalls Teil derselben Sammlung war, ist ein Bildnis einer Frau mit Federhut (siehe Corpus Cranach, Inv.-Nr. CC-POR-820-034). Auch dieses wurde auf einer Tannenholzta- fel ausgeführt, einem charakteristischen Merkmal der Produkti- on dieses Künstlers. Das hier angebotene Gemälde unterscheidet sich von der Werkstattpraxis Cranachs durch seine stark konturierten For- men, die betont gezeichneten Ohren sowie den weich und at- mosphärisch behandelten Landschaftshintergrund. An einzel- nen Partien des Inkarnats, etwa an Nase und Kinn der Salome sowie an den Wangenknochen des Johanneshauptes, sind frei gesetzte Unterzeichnungslinien in Form bogenförmiger Pin- selzüge erkennbar (Abb. 1). Vereinzelt treten diese zudem als konturierende Umrisslinien hervor. Diese wässrige Pinselun- terzeichnung knüpft an Cranachs Zeichentechnik vor 1520 an. Offensichtlich übernahm der Künstler diese während seiner Zeit in der Cranach-Werkstatt erlernte Arbeitsweise und setzte sie auch nach seiner Eigenständigkeit weiterhin ein, wie das vorlie- gende, nach 1525 entstandene Gemälde eindrucksvoll belegt. Wir danken Dr. Michael Hofbauer für die wissenschaftliche Un- terstützung bei der Katalogisierung dieses Gemäldes. Das Bild ist in Corpus Cranach unter der Nummer CC-BNT-160-018 ar- chiviert. CHF 30 000/40 000 (€ 32 610/43 480) Abb. 1. Infrarotreflektographie mit Unterzeichnungen

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