GEMÄLDE ALTER MEISTER 18. SEPTEMBER 2026
30 3018* PIETER BRUEGHEL d. J. (Brüssel 1564–1638 Antwerpen) Das Wirtshaus zum Schwan. Um 1626. Öl auf Holz. Unten rechts signiert: P. BREVGHEL. Verso Marke des Paneelenmachers Michiel Vriendt (tätig 1615–1637) und die Brandmarke der Stadt Antwerpen und der Malergilde. 44 × 62,8 cm. Provenienz: - Jacques Hynderick de Ghelcke (1891–1975), um 1905. - Durch Erbschaft in eine bedeutende Sammlung. - Auktion Sotheby‘s, London, 9.3.1983, Los 10. - Europäischer Privatbesitz. - Auktion Sotheby‘s, London, 6.7.2022, Los 9. - Aussereuropäische Sammlung. Literatur: Klaus Ertz: Pieter Brueghel der Jüngere (1564-1637/38). Die Gemälde mit Kritischem Oeuvrekatalog, Lingen 1988/2000, Bd. II, S. 845–6, Nr. E1182 (mit abweichender Abbildung). Klaus Ertz bezeichnet dieses Gemälde mit einer fröhlichen Dorf- gesellschaft vor einemWirtshaus in seinemWerkverzeichnis über Pieter Brueghel d. J. von hervorragender malerischer Qualität und reiht es in eine eher kleine Serie von Dartstellungen unter dem Titel „Das Wirtshaus zum Schwan“ (Siehe Ertz, S. 846, Nr. E1182). Pieter Brueghel, der älteste Sohn von Pieter Brueghel d. Ä., gilt als Hauptvertreter in der Verbreitung des väterlichen Bildprogramms und bediente die grosse Nachfrage nach diesen Darstellungen zu Beginn des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden. Bei der hier gezeigten Darstellung handelt es sich allerdings um eine voll- kommen eigenständige Szenerie, die insbesondere aufgrund der grossformatigen Personen von den üblichen kleinfigurigen The- men abweicht und den Betrachter unmittelbar in die Darstellung einlädt. Die Schreibweise der Signatur BREVGHEL lässt eine Datierung nach 1616 vermuten, da zuvor der Künstler mit BRVEGHEL si- gnierte. Die erste datierte Version dieser Wirtshaus-Thematik stammt von 1625 (siehe Ertz, S. 845, Nr. E 1179), in deren unmittel- baren zeitlichen Folge auch die hier angebotene Version entstan- den sein dürfte. Gemäss der Form der verso angebrachten Brand- marken der Stadt Antwerpen ist eine Entstehung des Gemäldes im Zeitraum von 1626 und 1637 zusätzlich bestätigt (siehe Jørgen Wadum: The Antwerp Brand on Paintings on Panels, in: Looking Through Paintings, hrsg. Von Erma Hermens, Bd. 11, S. 179–198). Der Titel „Wirtshaus zum Schwan“ leitet sich von der spätesten datierten Version dieser Thematik von 1632 ab, auf der ein Holz- schild am Wirtshaus mit der Inschrift „In de swaen“ (Wirts- haus zum Schwan) zu erkennen ist (siehe Ertz, S. 845, Nr. E 1181). Die vielfältigen narrativen Bildebenen dieser Darstellung ermöglichen einen heiteren Einblick in das Dorfleben zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Das fröhliche Geschehen vor dem Gasthaus ist durch den Genuss von Bier geprägt, die leeren Krüge werden durch volle vom Wirt ausgetauscht. Im Vordergrund wurden gerade ein Mann und eine Frau voneinander getrennt, sie strecken sich noch die Arme entgegen, ob sie von ihren jeweiligen Partnern aus der Situation gerissen werden, bleibt eine zum Schmunzeln anregende Spekulation. Ob die Anekdote mit dem Hausschwein im Mittelgrund eine thematische Vorstufe zu der Allegorie des Herbstes von Pieter Brueghel d. J., die Koller im Frühjahr versteigern durfte (Abb. 1), darstellt, unterliegt der individuellen Inter- pretation. Ebenso wie bei der Herbstallegorie finden sich auch bei der hier angebotenen Darstellung eindrückliche Unterzeichnungen, die per Infrarotreflektografie kenntlich gemacht wurden (Abb. 2). Sie vermitteln einen Eindruck über den Werkprozess und das virtuose künstlerische Vor- gehen von Pieter Brueghel d. J.. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Pieter Brueghel d. J. aufgeführt sowie in deren Datenbank „Marks on Art“. CHF 600 000/900 000 (€ 652 170/978 260) Abb. 1. Koller Auktionen, A216, Los 3027
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