GEMÄLDE ALTER MEISTER 18. SEPTEMBER 2026
54 3030* SALOMON VAN RUYSDAEL (Naarden um 1600–1670 Haarlem) Flusslandschaft mit Kühen und Segelbooten. 1653. Öl auf Holz. Unten links monogrammiert und datiert: SVR / 1653. 39,8 × 59,5 cm. Provenienz: - Sammlung Etienne-Edmond-Martin, Baron de Beurnonville (1825–1906), Paris. - Auktion Pillet, Paris, 9.–16. Mai 1881, Los 462 (datiert 1651). - Kunsthandel Franz Kleinberger, Paris/New York. - Sammlung August Cornelius de Ridder (1837–1911), Villa Schönberg, Kronberg, um 1910. - Durch Erbschaft an André de Ridder (1868–1921). - Auktion Galerie Georges Petit, Paris, 2.6.1924, Los 65 (datiert 1657). - Sammlung Dr. Anton Frederik Philips (1874–1951) und Anna Philips-de Jongh (1878–1970), Eindhoven, um 1928. - Durch Erbschaft an die Tochter Henriëtte Anna Philips-Van Riemsdijk (1906–2007). - Auktion Christie‘s, London, 6.12.2007, Los 12. - Europäischer Privatbesitz. Ausstellung: New York 1913, A. Ridder Collection, Kunsthandel Franz Klein- berger, 24.11.–15.12.1913. Literatur: - Wilhelm von Bode: Die Gemäldegalerie des Weiland Herrn A. de Ridder in seiner Villa zu Schönberg bei Cronberg im Taun- us, Berlin 1910, S. 16, Nr. 52 (mit Abb.). - Wilhelm Bode: Catalogue of the A. de Ridder Collection exhibi- ted at the F. Kleinberger Gallery in New York, New York 1913, S. 22 und S. 58, Nr. 52. - Wolfgang Stechow: Salomon van Ruysdael. Eine Einführung in seine Kunst. Mit kritischem Katalog der Gemälde, Berlin 1938, S. 130, Kat.-Nr. 523 und 525 (2. Auflage, Berlin 1975, S. 150, Kat.-Nr. 523 und 525). Dieses prachtvolle Landschaftsgemälde von Salomon van Ruys- dael vermittelt eine idealisierte, beinahe arkadische Auffassung der niederländischen Landschaft und verkörpert exemplarisch jenen Bildtypus, den der amerikanische Kunsthistoriker Walter S. Gibson als „rustikale Landschaft“ bezeichnet hat (siehe Pleasant Places: The Rustic Landscape fromBruegel to Ruisdael, Berkeley 2000). Seine Ursprünge reichen in das letzte Viertel des 16. Jahr- hunderts zurück und liegen im Schaffen Antwerpener Künstler, wie Hieronymus Cock (1518–1570) und Pieter Bruegel d. Ä. (um 1525–1569) begründet. Ihre eigentliche Blüte erlebte diese Gat- tung jedoch erst in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts durch niederländische Landschaftsmaler, wie Jan van Goyen (1596– 1656), Pieter de Molijn (1595–1661) und Salomon van Ruysdael, die drei bedeutendsten niederländischen Landschaftsmaler die- ser Zeit. Gibson versteht darunter Landschaften mit ländlichen, vertrauten und bewusst unheroischen Motiven des alltäglichen Lebens (siehe ebenda, S. XXIV). Salomon van Ruysdael wurde als Salomon de Goyer (oder Goo- yer) in Naarden im Gooiland geboren. Erst später nahm er, eben- so wie sein Bruder Isaack (1599–1677), den Namen Van Ruys- dael an, vermutlich in Anlehnung an die Burg Ruijschdaal in der Nähe des Wohnortes seines Vaters. Er war zudem der Onkel des Landschaftsmalers Jacob Isaacksz. van Ruisdael (1628–1682). Über Salomons künstlerische Ausbildung ist nichts überliefert. 1623 wurde er in die Haarlemer Sankt Lukasgilde aufgenommen und sein frühestes datiertes Gemälde entstand 1626. ImGegensatz zu Los 3032, einer Flusslandschaft von Jan van Goy- en mit einer eindrücklich Sturmszene, oder zu Los 3036, einer von grosser Expressivität geprägten Landschaft Jacob van Ruisdaels, bevorzugte Salomon van Ruysdael eine idealisierte Auffassung der Flusslandschaft. In den 1640er- und 1650er-Jahren schuf er zahlreiche Werke, in denen Haustiere, insbesondere Kühe, eine zentrale Rolle einnehmen. So zeigt ein 1646 entstandenes Ge- mälde aus der ehemaligen Sammlung des Grafen von Finken- stein eine Herde entlang eines Gewässers (siehe RKD Images, Nr. 216808). Ein weiteres, 1650 datiertes Werk, das am 19. Juni 2020 bei Koller (Auktion A192, Los 3045) versteigert wurde, zeigt Rinder in einem Fluss und ihren Hirten in einer Landschaft mit der Ab- tei Egmond im Hintergrund. Wie das hier vorliegende Gemälde vermitteln auch diese Kompositionen ein Gefühl von Harmonie und der engen Verbundenheit zwischen Mensch und Natur. Der Künstler schildert einen entspannten Moment, in dem die Tiere unbeaufsichtigt ihrem natürlichen Verhalten nachgehen. Hervorzuheben ist auch die bemerkenswerte Provenienz die- ses Gemäldes. Das Werk befand sich im Besitz des Barons Eti- enne-Edmond-Martin de Beurnonville, einem der bedeutends- ten Pariser Sammler des 19. Jahrhunderts, und gelangte später in die Sammlung des deutsch-belgischen Industriellen August Ridder und dessen Sohn. Anschliessend gehörte es dem nie- derländischen Unternehmer Anton Philips. Der ausgebildete Bankier trat 1895 in das von seinem Bruder gegründete Unter- nehmen „Philips electronics“ ein, das sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem international tätigen Industriekonzern ent- wickelte und 1933 zum weltweiten Hersteller von Radiogeräten aufstieg. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Anna Philips de Jongh trug Anton Philips eine der grössten privaten Kunstsammlun- gen der Niederlande zusammen, die sie in ihrem Familienhaus De Laak in Eindhoven ausstellten. Ihr gutes Gespür für die nie- derländische Malerei des 17. Jahrhunderts führte zum Erwerb dieses qualitätsvollen Gemäldes, das sich neben Werken von Rembrandt (1606/07–1669), Jan van Goyen (1596–1656) und weiteren Meistern in ihrer Sammlung befand. CHF 350 000/500 000 (€ 380 430/543 480)
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