GEMÄLDE ALTER MEISTER 18. SEPTEMBER 2026
58 3032* JAN VAN GOYEN (Leiden 1596–1656 Den Haag) Stürmische Flusslandschaft mit Ruder- und Segelbooten und Fischern. 1638. Öl auf Holz. Unten links auf dem Ruderboot monogrammiert und datiert: VG 1638. 39,4 × 54,6 cm Provenienz: - Kunsthandel Sankt Lukas, Wien, 1936. - Kunsthandel D. Katz, Dieren. - Kunsthandel St. Lucas, Den Haag, 1956. - Sammlung Edmond „Eddie“ Hertzberger (1904–1993), Nie- derlande/Schweiz. - Durch Erbfolge an Privatbesitz, Niederlande. - Europäischer Privatbesitz. Ausstellungen: - Amsterdam 1970, Confédération Internationale des Négo- ciants en Oeuvres d‘Art (CINOA), Art dealer and collector, Amsterdams Historisch Museum, 27.3.–31.5.1970. - London 1996, Jan van Goyen 1596–1656. Paintings from Mu- seum and Private Collections Commemorating the 400th an- niversary of his birth, Richard Green Gallery, 17.4.–11.5.1996. - Leiden 1996, Jan van Goyen, Stedelijk Museum De Lakenhal, 12.10.1996–13.1.1997. Literatur: - Ausst.-Kat. CINOA, Art dealer and collector, Amsterdam 1970, Nr. 25. - Hans-Ulrich Beck: Jan van Goyen. Ein Oeuvreverzeichnis, Bd. II, Amsterdam 1973, S. 224–25, Kat.-Nr. 469 (mit Abb.). - Ausst.-Kat. Jan van Goyen 1596–1656. Paintings from Mu- seum and Private Collections Commemorating the 400th anniversary of his birth, hrsg. von Hans-Ulrich Beck, London 1996, Kat.-Nr. 16 (mit Abb.). - Ausst.-Kat. Jan van Goyen, Leiden 1996, hrsg. von Christiaan Vogelaar, Leiden 1996, Kat.-Nr. 21. Jan van Goyen gilt als herausragender Meister der atmosphä- rischen Darstellung von Wetterphänomenen, wie diese hier angebotene Flusslandschaft exemplarisch vor Augen führt. Datiert 1638, ist sie eines der besten Beispiele für die Schaf- fensphase der 1630er-Jahre, der sogenannten tonalen Peri- ode. Mit dem Experimentieren der reduzierten Farbauswahl als zentrales Element beschäftigte sich Jan van Goyen eben- so wie Salomon van Ruysdael (1600–1670) und Pieter Molijn (1595–1661) in den späten 20 Jahren des 17. Jahrhunderts. Die niederländischen Künstler verfolgten das Ziel, sich von der bis anhin vorherrschenden farbenreichen Landschaftsdarstellung mit Farbperspektive abzuwenden und durch die Monochrom- malerei Raum für eine naturalistischere Darstellung zu schaffen. Die Gemälde erzeugten auf diese Weise eine tiefere atmosphä- rische Intensität, die den narrativen Elementen übergeordnet war. Die Komposition lässt eine stärkere räumliche Wirkung wahrnehmen, wie auch das hier angebotene Gemälde zum Ausdruck bringt. Zeit seines Lebens setzte sich der in Leiden geborene Jan van Goyen mit dem Wetter und seinem Facettenreichtum auseinander. Stürmische Wetterlagen, wie diese, sind hinge- gen eher eine Seltenheit in seinem Oeuvre und lassen sie somit als besondere Raritäten verstehen. Seine früheste Dar- stellung eines solchen Wetterphänomens entstand 1625 als Teil eines Gemäldepaares (Öl auf Holz, 22,5 × 46 cm), das sich im Museu Madeiros e Almeida in Lissabon befindet. Diese Thematik wurde auch gerne als „vuil weder“ bezeich- net, ein Begriff der allgemein bei Regenwetter angewendet wurde als humorvolle Anspielung auf schmutzige Wäsche, die ebenfalls mit der Zeit trüb erscheint. Besonders artikuliert wird die stürmische Darstellung mit diagonal verlaufenden Regenschwaden. Gleichzeitig durch- bricht das Licht die Wolkendecke und lässt den Fluss im Mittelgrund erleuchten. Der Betrachter wird auf diese Weise eingeladen, in die Darstellung einzutauchen und seinen Blick in die Ferne schweifen zu lassen. Hervorzuheben ist auch die überlieferte Provenienz des Ge- mäldes. Das Werk zählte einst zur Sammlung des niederlän- dischen Rennfahrers Eddie Hertzberger. Als Unternehmer in der zweiten Generation, übernahm er den Betrieb der Tex- tilproduktion seines Vaters in seiner Heimatstadt Rotterdam. Durch die Bombardierung der deutschen Luftwaffe 1940 wurden die Fabrikanlagen jedoch grösstenteils zerstört. Nach ihrer Flucht über die Schweiz und Frankreich, liessen sich Hertzberger und seine Frau Eleonore Katz (1917–2016) in Spanien nieder. Erst nach Kriegsende trat das Paar die Rückreise in die Niederland an. Bekanntheit erlangte Hertz- berger durch seine Rennfahrerkarriere in den 1930er-Jahren. Mit seinen privaten Fahrzeugen trat er an mehreren interna- tionalen Rennen an und war der erste Niederländer, der zwei Grand-Prix-Rennen gewann. Öffentlich zu sehen war das hier angebotene Gemälde zu- letzt anlässlich des 400-jährigen Geburtstagsjubiläums Jan van Goyens im Jahr 1996 in der Richard Green Gallery in Lon- don und anschliessend im Stedelijk Museum De Lakenhal in Leiden. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag unter der Nummer 111307 als ein eigenhändiges Werk von Jan van Goyen ar- chiviert. CHF 60 000/80 000 (€ 65 220/86 960)
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