GEMÄLDE ALTER MEISTER 18. SEPTEMBER 2026

6 3003* TADDEO DI BARTOLO (1362 Siena 1422) Heiliger Markus mit dem geflügelten Löwen. Um 1410. Tempera und Goldgrund auf Holz. 37,5 × 21 cm. Provenienz: - Kirche San Domenico, Gubbio (Hochaltar, bis zur Zerlegung des Polyptychons um 1765). - Sammlung Georg und Miles Reeb, Lahnstein, seit 1975. - Auktion Engel, Koblenz, 10.2.2024, Los 715 (als Sienesischer Meister, um 1400). - Deutsche Privatsammlung. Literatur: - Gail E. Solberg: „Taddeo di Bartolo: A Polyptych to Reconst- ruct“, in: Ausst.-Kat. A Renaissance Reunion: Reconstructing a Kress Italian Altarpiece, Brooks Museum Bulletin: Essays on the Collection, 1, 1994. - Stefano G. Casu: The Pittas Collection. Early Italian Paintings (1200–1530), Florenz 2018, S. 166. - Ausst.-Kat. Taddeo di Bartolo, hrsg. von Gail E. Solberg, Perugia 2020, S. 260. - Gail E. Solberg: Taddeo di Bartolo. Siena‘s painter in the early Quattrocento, Turnhout 2024, Bd. I, S. 591. - Orazio Lovino: New Additions to the Reconstruction of Tad- deo di Bartolo‘s Dominican Polyptych in Gubbio in: The Bur- lington Magazine, voraussichtliche Erscheinung Ende 2026. Mit einer kunsthistorischen Analyse von Prof. Gaudenz Freuler, Juli 2026. Die bislang unveröffentlichte Darstellung des Heiligen Markus wurde Anfang 2024 von Dr. Orazio Lovino als ein Werk Taddeo di Bartolos identifiziert; er brachte dieses Fragment mit dem heute zerlegten Polyptychon in Verbindung, das der sienesi- sche Meister gemeinsam mit seiner Werkstatt 1418 für den Hochaltar der Dominikanerkirche in Gubbio geschaffen hatte. In seinem Ende 2026 zu erscheinenden Artikel weist Dr. Orazio Lovino nach, dass die Tafel ursprünglich eines der Giebelfelder des monumentalen Altars aus Gubbio einnahm. Bereits 1994 konnte Dr. Gail Solberg das heute aufgelöste Al- tarwerk, dessen Rahmen signiert und datiert war, weitgehend rekonstruieren (Abb. 1). Die jüngste Entdeckung des Heiligen Markus stellt hierfür eine freudige Ergänzung dar, deren Autor- schaft Dr. Solberg ebenfalls bestätigt und wofür wir ihr danken. Die nach links geneigte Haltung des Markus zeigt, dass die Ta- fel den oberen Abschluss eines Seitenflügels bildete. In der Re- konstruktion befindet sie sich zwischen Matthäus und Thomas von Aquin über der heute fragmentarisch erhaltenen Figur eines heiligen Bischofs, heute im Snite Museum of Art, Notre Dame, Indiana, USA. Das Gubbio-Polyptychon ist Taddeo di Bartolos letzter grosser Altarauftrag und Höhepunkt seines Spätwerks. Nach Tätigkeiten in Ligurien, Pisa und Padua entwickelte er eine eigenständige Bildsprache, die Anregungen verschiedener Kunstlandschaf- ten, insbesondere Barnaba da Modenas, aufnahm. Nach seiner Rückkehr nach Siena 1399 erhielt er bedeutende öffentliche und kirchliche Aufträge und blieb zugleich in Umbrien tätig. In seinem Spätwerk verbindet Taddeo erzählerische Leben- digkeit mit gesteigerter Monumentalität und plastischer Kraft. Zugleich zeigt die zentrale Marientafel den Einfluss Gentile da Fabrianos (1370/85–1427). Wie bei seinen grossen Aufträgen arbeitete Taddeo mit Werkstattgehilfen, darunter beispielsweise auch sein Adoptivsohn Gregorio di Cecco (um 1390–1424). CHF 20 000/30 000 (€ 21 740/32 610) Abb. 1. Rekonstruktion des Altares in Gubbio. Abbgebildet in Ausst.-Kat. 2020, S. 293, Abb. 8

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