GEMÄLDE ALTER MEISTER 18. SEPTEMBER 2026

60 3033 GODEFRIDUS SCHALCKEN (Made 1643–1706 Den Haag) Porträt einer Edeldame mit Memento-Mori Motiv. Öl auf Kupfer. Unten rechts signiert: G. Schalcken f. 43 × 34,1 cm. Provenienz: - Auktion Amsterdam, 9.11.1892, Los 140. - Schweizer Privatbesitz, seit 1930. - Durch Erbfolge an heutigen Besitzer. Literatur: - Cornelis Hofstede de Groot: Beschreibendes und kritisches Verzeichnis der Werke der hervorragendsten Holländischen Maler des XVII. Jahrhunderts, Bd. V, Esslingen 1912, S. 325–440, Nr. 376. - Thierry Beherman: Godfried Schalcken, Montrouge 1988, S. 412, Nr. 376. Dieses Gemälde von Godefridus Schalcken wurde kürzlich in ei- ner Privatsammlung wiederendeckt, wo es sich mehr als ein Jahr- hundert in derselben Familie befunden hat und über Generatio- nen weitergereicht wurde. Mit grosser Wahrscheinlichkeit handelt es sich um jenes Werk, das Cornelis Hofstede de Groot in seinem ersten Werkverzeich- nis des Künstlers wie folgt beschreibt: „Kniefigur einer Dame. Die rechte Hand ruht auf einem Totenkopf, der auf einem Buch steht. Daneben eine goldene Uhr. Im Hintergrund eine Sanduhr und die Figur eines Kindes, das Seifenblasen macht.“ (siehe Hofstede de Groot, S. 430, Nr. 376). Die genannten Elemente sind typische Va- nitas-Symbole des 17. Jahrhunderts und verweisen auf die Ver- gänglichkeit der irdischen Existenz. Godefridus Schalcken zählt zu den bedeutendsten niederländi- schen Malern des späten 17. Jahrhunderts. Er wurde in Dordrecht geboren und erhielt seine Ausbildung von 1658–62 bei dem dort tätigen Maler und Kunsttheoretiker Samuel van Hoogstra- ten (1627–1678), bevor er für zwei Jahre Schüler von Gerrit Dou (1613–1675) in Leiden wurde. Letzterer gilt als einer der wichtigs- ten Vertreter der sogenannten „Fijnschilders“ (Feinmalers), einer Künstlergruppe, die sich durch einen ausserordentlich feinen und detailreichen Farbauftrag auszeichnete. Diese präzise Malweise zeigt sich auch in dem vorliegenden Gemälde. Der Maler und Kunstbiograf Arnold Houbraken (1660–1719) wür- digte Schalcken mit den Worten: „Er gehörte zu den glücklichsten niederländischen Malern, da seine künstlerische Arbeit von Be- ginn bis zum Ende seines Lebens reichlich belohnt wurde, sodass er noch zu Lebzeiten die Früchte seiner Arbeit ernten konnte, was nur sehr selten vorkommt.“ (siehe De groote schouburgh der Ne- derlantsche konstschilders en schilderessen, Bd. III, Den Haag 1721, S. 176). Dr. Guido Jansen hebt Schalckens führende Rolle in Dordrecht nach dem Weggang von Nicolaes Maes (1634–1693) nach Amsterdam im Jahr 1673 hervor und verweist auf seine Kund- schaft in anderen niederländischen Städten sowie im Ausland (siehe Guido Jansen: „Ein Künstlerleben und seine Zeit“, in: Schalcken. Gemalte Verführung, Ausst.-Kat., hrsg. von Anja K. Ševčík, Köln 2015, S. 14–35). Schalcken arbeitete für bedeu- tende ausländische Auftraggeber, darunter den schwedischen Baron Conrad Ribbing (1671–1736), König Christian V. von Dänemark und Norwegen (1646–1699) sowie den Pfalzgrafen und Kurfürsten Johann Wilhelm II. von der Pfalz in Düsseldorf (1658–1716). Darüber hinaus hielt er sich zwischen 1692 und 1696 in Lon- don auf, wo er seine Karriere weiter ausbaute. Sein Schaffen umfasst zahlreiche Gattungen, darunter Porträts bedeutender Persönlichkeiten, Genremalereien, Historienbilder sowie sinn- liche konnotierte Darstellungen, häufig als nächtliche Szenen im Kerzenlicht. Prof. Wayne Franits vermerkt, dass Schalcken sich in den 1670er-Jahren auf Porträtmalerei konzentrierte und seine Bild- nisse in einem standardisierten Format von etwa 43 × 34 cm ausführte, wie auch im vorliegenden Fall (siehe Godefridus Schalcken. A Late 17th-Century Dutch Painter in Pursuit of Fame and Fortune, London 2023, S. 33). Dr. Eddy Schavema- ker datiert das Gemälde ebenfalls in die 1670er-Jahre. Das schwarze Kleid, das hochgeschlossene Dekolleté sowie die zahlreichen Memento-Mori-Motive lassen an das Bildnis einer trauernden Witwe denken. Ein Vergleich bietet das Porträt der Amalia van Solms (1602–1675), das nach dem Tod ihres Ge- mahls, Prinz Frederik Hendrik von Oranien (1584–1647), Graf von Nassau und Statthalter der Vereinigten Niederlande, ent- stand (siehe Gerard van Honthorst (1592–1656) zugeschrie- ben, Porträt der Amalia van Solms, Öl auf Holz, Koninklijke Ver- zamelingen, Den Haag, Inv.-Nr. SC-0039). Dr. Anja K. Ševčík geht von einer Entstehung um 1680 aus, wobei sie bemerkt, dass die zahlreichen Vanitas-Attribute für Porträts zu dieser Zeit bereits eher unüblich waren, weshalb es sich auch um ein posthumes Porträt handeln könnte. Die nach rechts gerichtete Sitzhaltung der Dargestellten mag auf ein Einzelbild hinweisen, ohne einen Ehemann als Pendant. Angesichts der aufwendig ausgearbeiteten Komposition mit zahlreichen Accessoires und Hintergrundmotiven liesse sich an einen persönlichen Auftrag denken, spekulativ an ein Bild- nis einer der Schwestern des Künstlers, wie zum Beispiel der unverheirateten Barbara Schalcken (1655–1709). CHF 20 000/30 000 (€ 21 740/32 610)

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