GEMÄLDE ALTER MEISTER 18. SEPTEMBER 2026

68 3037* HENDRIK DE FROMANTIOU (Maastricht 1633/34–1693/94 Berlin) Grosser Blumenstrauss in einer Silbervase auf einer Steinplatte mit Insekten und einer Eidechse. Öl auf Leinwand. 60,4 × 47,5 cm. Provenienz: - Kunsthandel Dr. Benedict & Co., Berlin. - Auktion Leo Spik, Berlin, 25.10.1967, Los 204 (als Willem van Aelst). - Kunsthandel Richard Green, um 1968 (als Willem van Aelst). - Kunsthandel Norbert Pokutta, München, um 1989 (als Willem van Aelst). - Kunsthandel Xaver Scheidwimmer, München, ab 1989. - Süddeutsche Privatsammlung. Ausstellung: Maastricht 2015, Henri de Fromantiou. Royal illusions, Bonnefan- tenmuseum, 6.3.–28.6.2015. Literatur: Ausst.-Kat. Henri de Fromantiou. Royal illusions, Maastricht 2015, S. 105, Kat.-Nr. 28. Mit einer schriftlichen Expertenmeinung von Dr. Sam Segal (als Hendrik de Fromantiou), 11.8.1989 (in Kopie). Gemälde des niederländischen Malers Hendrik de Fromantiou sind auf dem Kunstmarkt äusserst selten anzutreffen. Das vorlie- gende Werk ist ein hervorragendes Beispiel seiner farbenprächti- gen und qualitätsvollen Blumenstillleben. Nachdem der Künstler in der kunsthistorischen Forschung lange Zeit weitgehend in Ver- gessenheit geraten war, trug die Ausstellung im Bonnefantenmu- seum im Jahr 2015, in der auch das vorliegende Gemälde ausge- stellt wurde, wesentlich zu einer Neubewertung seines Schaffens bei. Sie rückte nicht nur seine Tätigkeit als Maler in den Fokus, sondern beleuchtete auch seine Rolle als Kunsthändler und Be- rater des Kurfürsten von Brandenburg und unterstrich seine Be- deutung als hochgeschätzter Meister des 17. Jahrhunderts. Sein Oeuvre umfasst ein breites Spektrum von Stillleben, darunter Frucht- und Blumenstücke, farbenreiche Blumensträusse sowie Tierstillleben. Bis heute ist nicht bekannt, bei welchem Meister Hendrik de Fromantiou seine malerische Ausbildung erhielt. InMaastricht ge- boren, verbracht er seine Kindheit mit seiner Familie in Breda und in Nijmegen und ist durch seine Tätigkeit als Maler unter anderem in Amsterdam, Den Haag, Rotterdam, Haarlem sowie in London, Berlin, und Potsdam dokumentiert. Seine Stillleben stehen jedoch unverkennbar in der Traditi- on zweier bedeutender niederländischer Künstler, die Ende der 1650er- und zu Beginn der 1660er-Jahre tätig waren: Jan Baptist Weenix (1621–1659) für die Jagdstillleben und Willem van Aelst (1627–1683) für die Blumensträusse. Das früheste datierte Blumenstillleben Fromantious entstand 1665 und zeigt eine kontrastvolle Inszenierung von verschiedenen Blumen vor einem dunklen Hintergrund, die von Willem van Aelsts Blumen- kompositionen geprägt sind. Ebenso übernimmt er die reiche Ausstattung mit Libellen und Schmetterlingen, wie sie auch im „Blumenstillleben mit Taschenuhr“ von 1663 im Mauritshuis, Den Haag, vorkommen (Öl auf Leinwand, 62,5 × 49 cm, Inv.-Nr. 2) (siehe Monique Rakhorst und Fred Meijer, „The ‚forgotten‘ oeuvre of Henri de Fromantiou“, in: Ausst.-Kat. 2015, S. 78). Die hohe Qualität von Fromantious Werken, insbesondere sei- ner Jagdstillleben, richtete sich vor allem an ein aristokratisches und hoffähiges Sammlerpublikum. Ab den 1670er-Jahren stand er als Hofmaler im Dienst des Grossen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620–1688) sowie dessen Nach- folgers Friedrich III. (1657–1713) in Potsdam. Dort war er nicht nur als Maler tätig, sondern betreute auch als Restaurator und Kustos die kurfürstliche Gemäldesammlung. Zugleich fand sein Werk auch bei bürgerlichen Sammlern grossen Anklang, wie zahlreiche Inventare aus Amsterdam und Den Haag belegen (siehe Fred Meijer, in: ibid., S. 86–89). Darüber hinaus war er in den Niederlanden erfolgreich als Kunsthändler tätig und beriet den Kurfürsten beim Erwerb von Gemälden für dessen Samm- lung (siehe Friso Lammertse, „Henri de Fromantiou, art dealer and advisor“, in: ibid., S. 47–53). Auch während seiner Tätigkeit am brandenburgischen Hof kehrte er regelmässig in seine nie- derländische Heimat zurück. Dieses Gemälde ist als eigenhändiges Werk von Hendrik de Fromantiou imRKD, Den Haag, unter der Nummer 2688 archiviert. CHF 70 000/100 000 (€ 76 090/108 700)

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