GEMÄLDE ALTER MEISTER 18. SEPTEMBER 2026

94 3054* JAN FRANS VAN BLOEMEN, genannt ORIZONTE, und PLACIDO COSTANZI (Antwerpen 1662–1749 Rom) (1702 Rom 1759) Mediterrane Landschaft mit einer Stadt am Wasser und dem römischen Belvedere. 1735. Öl auf Leinwand. Unten rechts signiert und datiert: MDCCXXXV. ORIZONT. F. 101,3 × 140,1 cm. Provenienz: - Privatsammlung, Belgien, seit 1974. - Auktion Christie‘s, London, 16.4.1999, Los 118. - Galerie Richard Green, London. - Sammlung Sven A. Behrendt (verso mit Etikett). - Europäische Privatsammlung, durch Erbschaft an die heutigen Besitzer. Literatur: - Andrea Busiri Vici: Jan Frans Van Bloemen. Orizzonte e l‘origine del paesaggio romano settecentesco, Rom 1974, Nr. 312. - Federico Zeri: Italian Paintings in the Walters Art Gallery, hrsg. von Ursula E. McCracken, Baltimore 1976, Bd. II, S. 509–10, Nr. 397. Dieses imposante mediterrane Gemälde entführt uns in die Umgebung von Rom und wur- de von Jan Frans van Bloemen um 1735 gemalt. Die stimmungsvolle Landschaft ist ein charakteristisches Beispiel für das Spätwerk des in Rom tätigen flämischen Malers. Geboren in Antwerpen, wurde Jan Frans van Bloemen von Anton Goubau (1616–1698) ausgebildet und gelangte wohl über Paris und Lyon 1689 in die Ewige Stadt, wo er sich für den Rest seines Lebens aufhielt. In Rom schloss er sich der Künstlergemeinschaft der „Bentvueghels“ an, eine Gemeinschaft vorwiegend niederländischer und flämischer Künstler, die von circa 1620 bis 1720 dort tätig waren. Sein Beiname „Orizzonte“ ist vermut- lich hier aufgrund seiner Vorliebe und Meisterschaft für weiträumige Fernsichten entstan- den. Innerhalb kurzer Zeit avancierte er zu einem der angesehensten Landschaftsmaler und erhielt zahlreiche Aufträge für die Ausstattung von Palästen in und um Rom. Die Figurenstaffage wurde von Placido Costanzi ergänzt, der Mitglied der renommierten Accademia di San Luca war und bereits zu Lebzeiten wegen seiner Eleganz und klaren Linienführung geschätzt war. Constanzi erlernte die Malerei in den Werkstätten von Fran- cesco Trevisani (1656–1746) und Benedetto Luti (1666–1724) und bringt in diesem hier angebotenen Gemälde seinen charakteristischen Stil zum Ausdruck. Die Zusammenar- beit zwischen van Bloemen und Costanzi spiegelt dabei eine im frühen 18. Jahrhundert in Rom etablierte Praxis wider. Führende Landschaftsmaler arbeiteten häufig mit spezia- lisierten Figurenmalern zusammen, um Werke zu schaffen, die auf den Geschmack einer stetig wachsenden internationalen Kundschaft zugeschnitten waren. Wie Ferderico Zeri vermerkt, hat sich Bloemaert bei dieser signierten und mit 1735 da- tierten Komposition wohl von einer Landschaft mit Diogenes von Nicolas Poussin (1594– 1665) inspirieren lassen, welche heute im Louvre in Paris zu finden ist (Inv.-Nr. INV 7308 ; MR 2330, Öl auf Leinwand, 160 × 221 cm). Dort ist ebenfalls, wie bei dieser Landschaft zur Linken, das römische Belvedere zu sehen sowie die kuppelförmige Architektur rechts, die an die 1553 erbaute Kirche Sant’Andrea in Rom erinnert. CHF 30 000/50 000 (€ 32 610/54 350)

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