BÜCHER & AUTOGRAPHEN 16. SEPTEMBER 2026
4234 Schaffner, Jakob, Schriftsteller (1875-1944). Sammlung von über 55 Briefen und Postkarten mit eigenh. Un- terschrift an Walter Schädelin.Berlin u.a., 1912-1938. Verschie- dene Formate, teils in gelaufenen Kuverts. Umfangreiche Sammlung, die einen detaillierten Einblick in die Entwicklung Schaffners zwischen den Weltkriegen liefert. Ad- ressat in der Schweiz war der literarisch interessierte und auch tätige Forstwissenschaftler Walter Schädelin (1873-1953), ab 1924 Ordinarius für Waldbau an der ETH Zürich. Die meist ma- schinenschriftlich abgefassten Karten und Briefe beginnen mit freundlichen Sondierungen für einen Ferien-Aufenthalt Schaff- ners in der Schweiz: "Wenn sie nun einen Ort wissen, der auf der grossen Zehe irgend eines Klotzes liegt und doch Abendhimmel hat, so machen Sie mir bitte, wenn Sie können, dort ein Quartier aus." (24. April 1913). Im und nach dem Ersten Weltkrieg dann wird Schaffners Parteinahme für Deutschland evident: "Besiegt sind die Deutschen nicht, sie sind bloss verunglückt, aber das freilich gründlich, sodass sich jeder neutrale Hund für zu gut hält, von ihnen ein Stück Brot zu nehmen." (23. Dezember 1918). Politisch ist Schaffner zu diesem Zeitpunkt noch demokratisch orientiert, jedenfalls soll er "helfen eine grosse neue demokrati- sche nationale Zeitung zu machen" (ebd.). In der von materiellen Nöten geprägten Nachkriegszeit erhalten der weiterhin in Berlin lebende Schaffner und seine Familie Unterstützung von Schäde- lin, sowohl finanziell als auch in Form von Paketen. Derweil be- müht sich Schaffner, sich auf die Wirren der Zeit auch politisch einen Reim zu machen: "Von einem Kommunismus, der sich nicht auf einer Linie sondern innerhalb eines Bewegungssys- tems vollzieht, kann sich Deutschland und Europa nur Gutes ver- sprechen." (27. Januar 1920). Zum Bruch zwischen Schaffner und Schädelin kommt es nach 1933 und angesichts von Schaffners Begeisterung für den Nationalsozialismus. In einem wütenden letzten Brief greift Schaffner auch auf Kraftausdrücke zurück, um den ehemaligen Freund in Zürich herabzusetzen ("moralischer Bankrott", "Bildungs-Onanie"; 9. Juli 1938). Schädelin zieht daraus kühl die Konsequenz, wie ein beiliegender Briefentwurf vom 10. Juli 1938 erhellt: "Geben Sie Ihr Schweizerbürgerrecht auf, und werden Sie in aller Form, als was sie sich gesinnungsmässig öffentlich hinreichend dokumentiert haben: Bürger des Dritten Reiches." - Geringe Lagerspuren, wenige Lochungen, insgesamt von sehr guter Erhaltung. CHF 3 000/5 000 (€ 3 260/5 430) 112 |
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