FASZINATION FAYENCE DIE SAMMLUNG DR. PETER DUCRET 17. SEPTEMBER 2026
1113 BEDEUTENDE BILDPLATTE MIT EINER MONATSALLEGORIE Künersberg, um 1760. Fayence mit Muffelfarben. Oktogonale Form mit Randsteg. Im Zentrum ein Mädchen auf einem Terrainstreifen, im Arm einen sinnbildhaften Strauss Lilien und Maiglöck chen sowie einen Rettich in den Händen, ihren Blick auf den Betrachter gerichtet. Auf dem Grund Musikinstrumente. Im Hintergrund eine Parklandschaftskulisse mit französisch angelegtem Garten und einem Pavillion mit künstlich angelegtem See mit bootfahrenden Figuren. Im Hintergrund eine verblassende Hügellandschaft in Hell blau in der Art der Künersberger "Uferlandschaften". In einem späten, geschnitzten Holzrahmen. Ohne Marke. Ø 38 cm (ohne Holzrahmen). Kleine Randabsplitterungen der Glasur. Provenienz: Kunsthandel Philippe Couque, Paris, 1993. Ausstellung: H.W. Bayer: Muffelbrand und scharfes Feuer: 250 Jahre Künersberger Fayencen, Memmingen 1995, Ausst.-Kat. S. 212, Nr. 113. Ein Kupferstich des Monats Mai aus der Serie "Zwölf Monate des Jahres" von Wolf gang Kilian (1581–1662), beruhend auf Zeichnungen von Johann Matthias Kager (1575–1632), diente dem Künersberger Maler als detailgetreue Vorlage für diese reiz volle Szene. Die allein schon durch ihre Grösse herausragende Bildplatte vereint brillante Farbigkeit und malerische Feinheit in einer jungen Frau, die mit der Lilie in der Hand auf ihre Un schuld und Reinheit weist und mit den Maiglöckchen einen Hinweis auf die Jahreszeit gibt. In diesem seltenen Beispiel verbindet die Platte die für Künersberg charakteristi schen Elemente einer Waldlandschaft in zwei verschiedenen Grünschattierungen und der blauen, im Hintergrund schemenhaft erkennbaren Landschaft der Künersberger "Uferlandschaften", mit einer sehr feinen Detailhaftigkeit des Mädchens in den charak teristischen, kräftigen Aufglasurfarben. Bildtafeln als solche gehören zum Formenkanon der Manufaktur. Ein Meisterwerk ist die Bildplatte aus dem Metropolitan Museum in New York, die eine Ansicht der Kü nersberger Manufakturanlage aus der Vogelperspektive darstellt (object number: 50.211.199). Weitere in Qualität und Feinheit am nächsten rückende Vergleiche sind ein Paar Bildplatten aus der Sammlung Ulrich Seiler, in deren Mitte jeweils eine gross figurige Dame als Allegorie des Sommers bzw. Herbstes vor einer Künersberger Land schaft thront (Weinmüller Auktion Nr. 145, 1973, Nr. 126). Zwei weitere Beispiele zeigen etwa eine Wildschweinjagd (Bayerisches National MuseumMünchen, Inv.-Nr. 56/889) und ein bürgerliches Paar bei morgendlichem Kaffee und Schokolade (Städtisches Museums Memmingen, Inv.-Nr. 2,822, Ausstellung Künersberg 1995, Abb. 116), beide auf Grundlage einer Kupferstichvorlage von Johann Elias Ridinger. Die Hand hinter dieser feinen Malerei konnte keinem Maler zugeschrieben werden. Farbwahl und Landschaftsaufbau sowie die Gestalt des Mädchens stehen jedoch ganz in der Tradition der feinen Künersberger Landschaften aus der späteren Phase der Produktion, zur Zeit Valentin Bontemps. Wir danken Dr. Andreas Heege für den Hinweis auf das Kupferstichkabinett des Her zog Anton Ulrich Museums, in dessen Besitz sich eine komplette Vorlagenserie der zwölf Monate befindet. CHF 20 000/30 000 (€ 21 740/32 610) Johann Mathias Kager (1575–1634), Mai, 1617, Verlag: Wolfgang Kilian (1581–1662), Staats- galerie Stuttgart, Graphische Slg. (Inv.-Nr. An 1595). 106 |
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