FASZINATION FAYENCE DIE SAMMLUNG DR. PETER DUCRET 17. SEPTEMBER 2026

1142 TROMPE-L'OEIL TRAUBENTERRINE Schrezheim, um 1770, zugeschrieben. Eine dicht mit blauen, am Ansatz hellblau verwaschenen Weintrauben belegte Ris­ pe, deren Deckel mit einem Ast belegt ist und türkisblaue Blätter trägt. Gemarkt auf beiden Innenseiten in Mangan mit einer Doppelpfeilmarke und +++, auf der Unter­ seite des Terrinenbodens 1 in Blau. L 16 cm, H 11 cm, B 9,5 cm. Restaurierungen. Provenienz: Grosvenor House Antiques Fair London, 1986. CHF 1 200/2 200 (€ 1 300/2 390) Schrezheim (1752–1865) Am 29. Juli 1752 erhielt der Weinhändler Johann Baptist Bux, ein gebürtiger Schrezheimer, vom Erzbischof von Trier, dem Kurfürsten Franz Georg von Schönborn, zu dessen Gebiet die Fürstpropstei Ellwangen gehörte, den "Freyheits Brieff" mit wirtschaftlichen Privilegien, um eine Manufaktur "Porcellain-Fabric" im heutigen Stadtteil Schrezheim zu gründen. Eine Konkurrenzsituation am Ort (Adam Friedrich Prahl, Arkanist Josef Jakob Ringler) zwang ihn, im April 1758 möglichst rasch neben der Fayenceproduktion an das Arkanum der Porzellanherstellung zu gelangen, um seinen Freibrief für das Betreiben der Fabrik nicht zu verlieren. Ringler wanderte zum großen Glück für Bux nach Ludwigsburg ab und Bux konnte 1761 Johann Andreas Bechdolff für die ausgesprochen kostspielige Porzellanherstellung verpflichten, der jedoch bereits 1763 wieder ausschied. Bis zu seinem Tod 1817 betätigte er sich als Haus- und Dosenmaler. Später kam der aus Luné­ ville stammende Louis Victor Gerverot nach Schrezheim, und prägt die Produktion bis 1775. Schrezheim erfährt bis etwa 1780 seine Blütezeit, doch die Porzellanherstellung wird bereits 1775 eingestellt. Aufgrund der kurzen Periode der Porzellanherstellung sind nur wenige Porzellane aus Schrezheim bekannt. Mit dem Tod von Bux im Jahr 1800 ist der Niedergang der Manufaktur vorprogrammiert. Der Betrieb fiel an die Kinder, den Pfarrer Alois Bux und dessen zwei verheiratete Schwestern bzw. deren Männer, Anton Wintergerst und Anton Pfister. Die Fabrik besteht weiter, unter der Riege der Nachfahren, der Familie Wintergerst, bis zur Einstellung der Produktion 1852. Restbestände wurden 1865 versteigert. Die berühmte Schrezheimer Levi-Madonna (Boston, USA) gehört zu den bedeutendsten Fayence-Bildwerken. Zwischen 1773–74 vermutet man die Entstehungszeit des Hauptwerks der Manu­ faktur, den Fayence-Altar für die St. Antoniuskapelle in Schrezheim. 128 |

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