FASZINATION FAYENCE DIE SAMMLUNG DR. PETER DUCRET 17. SEPTEMBER 2026
1150 TERRINE IN FORM EINER SCHILDKRÖTE Friedberg, um 1755–60, zugeschrieben. Fayence mit Scharffeuerdekor. Naturalistisch modelliert, sein Rückenpanzer als abnehmbarer Deckel mit reliefierten Schilden. Korpus und Kopf staffiert in Mangan mit Schuppendekor an den Seiten und dem gewölbten Panzer in Braun mit manganfarbe nen Konturen und Höhungen in Ockergelb. Ohne Marke. L 26,5 cm, H 10 cm, L Panzer 20,8 cm. Rückenpanzer restauriert. Provenienz: - Auktion Sotheby's, New York, 15./16.10.1980, Lot 452. - Auktionshaus Nagel, Stuttgart, 9.3.1982, Lot 105. Eine Dose für Butter aus Fayence in Form einer Schildkröte zu gestalten, zeigt sich anhand zahlreicher Modellen die aus dem 18. Jh. bekannt sind aus Strasbourg, Höchst, Brüssel und Schre zheim. Auch in der kleinen churbayerischen Manufaktur Fried berg entschied man sich für dieses Modell, das bereits in Meis sen aus dem Jahr 1722 bekannt war. Ein vergleichbares Exemplar aus der Sammlung Neuner (Ziffer 2012, S. 156, Nr. 70) ist für Friedberg mit der churbayrischen Mar ke C.B. unter Krone signiert. Die figürliche Produktion dieser Ma nufaktur scheint äusserst klein zu sein, doch die populäre Schild kröte gehörte auch in dieser kleinen Manufaktur zum figürlichen Repertoire. Die Haltung des Kopfes und Details des Körpers un serer Schildkröte stimmen mit dem in Friedberg signierten Stück aus der Sammlung Neuner (ebd.) überein. Auch in der historischen Versteigerung der Sammlung des Erz herzogs Ludwig Viktor durch das Dorotheum 1921, befand sich ein vergleichbares Modell, Lot 439, Taf. XIII. CHF 2 000/3 000 (€ 2 170/3 260) "Die kurfürstlich priviligierte Porzellanfabrik" Friedberg (1754–68) Die kleine Fayence Produktionsstätte vor den Toren der Fuggerstadt Augsburg, wurde 1754 durch Kurfürst Maximilian III Joseph von Bayern gegründet in der Augsburger Nachbarschaft und wohl auch in Nachfolge der 1752 geschlossenen Fayencefabrik Göggingen. Mit Joseph Hackl, der zuvor in Göggingen als Hof-Bossierer (1748–53) und dann in Augsburg Mitgründer einer Fayencemanufaktur (1753–54) war, daneben als Hausmaler der Seuter-Werkstatt gearbeitet hatte, holte man den erfahrenen Fayencier in die Friedberger Manufaktur, wo er die technische und künstlerische Leitung von 1754 bis 1758 übernahm. Die Erzeugnisse wurden mit der Marke "CB" mit Kurhut für Chur-Bayern signiert. Mit dem Durchbruch einer Porzellan produktion in der Residenzstadt München durch die Manufaktur Nymphenburg 1754, erlosch die Nachfrage nach Fay ence und Friedberg beendete schliesslich unter wirtschaftlichem Druck 1768 den Betrieb. | 135
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