FASZINATION FAYENCE DIE SAMMLUNG DR. PETER DUCRET 17. SEPTEMBER 2026

1155 SELTENER APOTHEKENTOPF Venedig, Manufaktur Cozzi, um 1780. Fayence mit Muffelfarben. Mit seitlichen Löwenkopfhandhaben über applizierten Früchtekränzen, einem gewölbten Deckel mit einer angeschnittenen Zitrone als Knauf. Die Bemalung mit üppiger Blumenmalerei, beschriftet "Mostarda Fina", Spuren von Vergoldung an den Rändern. Ohne Marke. H 49 cm. Deckel gebrochen. Provenienz: - Sammlung Erzherzog Ludwig Viktor, Schloss Klessheim Salz­ burg, Versteigerung Dorotheum Wien, 20.5.-3.6.1921, Nr. 457. - Kunsthandel Friedrich Kratschmann & Sohn, Wien, 1975. Literatur: Feancesco Stazzi: Le porcellane veneziane di Geminiano e Vincenzo Cozzi, Venezia 1982, S. 248, Abb. 94-95. Die illustre Provenienz der Sammlung des Erzherzog Ludwig Viktors von Österreich (1842–1919), des kunstsinnigen wie skan­ dalträchtigen jüngsten Bruders Kaiser Franz Josephs I. von Ös­ terreich, verleiht diesem Apothekengefäss eine besondere his­ "Jedes Stück in der Sammlung hat seine eigene Geschichte, und mit vielen sind unvergessliche Anekdoten verbunden. Den wunderbaren " Mostarda fina - Topf" entdeckten unsere Eltern in Wien – auf dem Weg nach Venedig. Irgendwie gelang es mei- nem Vater, das grosse Stück eigenhändig bis nach Venedig zu transportieren. Im Hotel mit Blick auf den Canal Grande packte er den Topf aus und stellte ihn im Zimmer auf. Als befreundete Sammler aus Zürich zu Besuch kamen, erzählte er ihnen mit ei- nem verschmitzten Lächeln, dies sei ein außergewöhnliches Ho- tel, in dem sogar originale Fayencen aus dem 18. Jahrhundert als Zimmerschmuck dienten. Das Ehepaar betrachtete das Stück voller Bewunderung und überlegte bereits, ob man es dem Ho- tel abkaufen könnte. Erst dann lüftete mein Vater das Geheimnis. Diese Geschichte sorgte noch viele Jahre lang für herzhaftes Gelächter." Madeleine R. Ducret torische Bedeutung. Auf Schloss Klessheim und zuvor in seinem Wiener Palais am Schwarzenbergplatz, trug er eine ausserge­ wöhnlich umfangreiche Sammlung zusammen. Nach seinem Tod 1919 wurde der gesamte Nachlass 1921–22 in mehreren Auktionen in über 10 Auktionskatalogen über das Wiener Dorotheum versteigert; allein die Keramikauktion umfass­ te über 600 Objekte. Die spektakulären Versteigerungen seines Nachlasses fanden internationale Beachtung und erzielten aus­ sergewöhnlich hohe Preise, wodurch seine Sammlung bis heute zu den bedeutendsten fürstlichen Provenienzen der österreichi­ schen Kunst- und Sammlungsgeschichte zählt (I. Fliegl-K. Unter­ reiner, Erzherzog Ludwig Viktor: Lebemann und Kunstsammler, 2021, www.dorotheum.com) . Die Manufaktur Cozzi registrierte diese Apothekentöpfe in ihrem Fabrikinventar von 1783 als "Vasi a Mascheroni con coperchi, Vasi da Mostarda grandi" (Stazzi 1982, S. 168-169). CHF 4 000/7 000 (€ 4 350/7 610) 140 |

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