FASZINATION FAYENCE DIE SAMMLUNG DR. PETER DUCRET 17. SEPTEMBER 2026
Das Fayence-Service der Familie von Salis aus der Zürcher Porzellanmanufaktur Zwischen etwa 1770 und 1773 entstand in der Zürcher Porzellanmanufaktur in Kilchberg-Schooren eines der ext rem seltenen Fayenceservice, für das sich im Jahr 1773 insgesamt 119 Teile nachweisen lassen. Franz Bösch hat sich intensiv mit der Überlieferungsgeschichte des Service auseinandergesetzt (Bösch 2003, 203–215). Von diesem Service befinden sich seit 1895 36 Stück im Rätischen Museum und noch 26 Stücke im Schweizerischen National museum (SNM) sowie ein Stück im Historischen Museum St. Gallen. Fünf Stücke waren bisher in schweizerischem Privatbesitz, von denen drei aus der Sammlung Angst stammen und getauscht wurden. Die beiden anderen wurden aus der Sammlung Elsa Bloch-Diener, Bern, bzw. auf dem Dortmunder Flohmarkt erworben. Der Verbleib der übri gen archivalisch überlieferten Serviceteile, die sich 1895 noch in Familienbesitz von Salis befanden, ist unbekannt. Belegen liess sich aufgrund von Archivalien eine ursprüngliche Herkunft aus dem Besitz des Peter von Salis-So glio (1729–1783) in Chur. Weitergehende Informationen zur Bestellung und Geschichte des Service liegen nicht vor. Die Familie von Salis ist ein seit dem 13. Jh. überliefertes Schweizer Adelsgeschlecht aus Soglio im Bergell im Süden Graubündens. Die Familie zählte vom 16. bis zum 18. Jahrhundert zu den führenden Geschlechtern der Drei Bünde. Peter von Salis war Hauptmann in französischen Diensten. Er leitete das Speditionshaus Salis in Chiavenna und Chur. Er heiratete in das Bank- und Speditionshaus Massner ein und erlangte auf diese Weise das Bündner Zollregal ein. Die Verbindung von Zolleinzug, Handels- und Bankgeschäft sowie Spedition machten ihn zum wirt schaftlich mächtigsten Bündner der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Bestellung des Spezialservice in Kilch berg-Schooren entspricht seiner sozialen Stellung. Nur zwei der Objekte des Rätischen Museums, ein Teller aus dem SNM und eine flache Schale in Privatbesitz tragen rückseitig die blaue Manufakturmarke "Z". An der Zugehörigkeit der übrigen Objekte zum Service kann aufgrund des sehr charakteristischen Dekors mit dem einheitlichen braunen Randstreifen und den auffällig blauen Seen und Ber gen im Hintergrund, kein Zweifel bestehen. Die Bemalung ist sehr fein und detailreich ausgeführt. Es handelt sich ausschliesslich um idyllische Landschaften mit Seen und Bergen, phantastischen Architekturmotiven, Ruinen und Menschen (meist in Rückenansicht). Der Maler ist unbekannt und es gibt kein weiteres Geschirr aus der Zürcher Manufaktur mit dieser Farbpalette. Dr. Andreas Heege, Zug 148 |
RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2