FASZINATION FAYENCE DIE SAMMLUNG DR. PETER DUCRET 17. SEPTEMBER 2026

Théodore Deck (Guebwiller 1823–1891 Paris) Den im Elsass geborene Théodore Deck zog es als Lehrling von seinem Geburtsort Guebwiller bald nach Strasbourg. Seine Ausbildung absolvierte Deck beim Hafnermeister Hügelin, für den er im Anschluss bis 1845 arbeitete. Während seiner Wanderjahre, die ihn über Deutschland nach Wien und Ungarn führten, sammelte der Hafner bei Arbeiten für zahlreiche Landschlösser und Paläste viel Erfahrung. Nach einem Zwischenhalt in der Pariser Manufaktur Vogt, kehrte Deck aufgrund der Februar-Revolution 1848 nach Guebwiller zurück und kreierte dort eigene Fayence-Stücke. 1851 zog es ihn wiederum nach Paris, wo er 1855 für die Manufaktur Dumas seine erste Medaille an einer Weltausstellung gewann. Die Gründung der eigenen Manufaktur in Paris, zusammen mit dem Bruder Xavier, datiert ins Jahr 1856. Kreationen im Renaissance- sowie orientalischen Stil prägten das Schaffen der Manufaktur, das wesentliche Inspiration in der Iznik-Kera­ mik des 15.–17. Jahrhunderts fand (Lot 1233). Der künstlerische Anspruch Decks zeigt sich auch in der Produktion von Tellern und Platten, die ab 1859 in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern der Zeit, mitunter Albert Anker (1831–1910), entstanden und ab 1861 an diversen Ausstellungen erfolgreich präsentiert und verkauft wurden. Die Verwendung von Goldfonds basiert auf Studien der Mosaiken imMarkusdom, den er im Rahmen einer Venedig-Reise 1877 besuchte. Solche Goldfonds manifestieren sich auch bei den Künstler Portrait-Platten, wie etwa derjenigen aus der Zusammenarbeit mit Raphaël Collin (1850–1916) (Lot 1244). Decks Farben und Formen verraten nebst den osmanischen und italienischen Einflüssen weitere kulturelle Inspirationen, die vom maurischen bis hin zum asiatischen Stil reichen. Ab 1880 werden japanische Formen und Farben in den Dekor-Kanon aufgenommen, ebenso Elemente der chinesische Kera­ miktradition. Dies nicht nur in Form und Dekor, sondern auch in der Verwendung des Seladongrüns. Sein Kennzeichen, das leuchtende Türkis, auch "Bleu-de-Deck" genannt, welches den persischen Keramiken ähnelt, stellte er ab 1874 aus Kupferoxid und Kobalt her. Dieses kombinierte er oftmals mit einem dunklen Violett (Lot 1229). Ein weiteres Wiedererken­ nungsmerkmal sind die flachen Reliefdekore. Auf Grund neuer technischen Versuche unter der Glasur entstanden ab 1888 ornamentale Dekore, die den Sujets eine gewisse Tiefe verliehen. Das farben- und formreiche Oeuvre mitsamt den vielseitigen kulturellen Einflüssen verrät Decks Experimentierfreude ebenso wie den Geist des Jugendstils und Historismus. Auch die industrielle Denkweise seiner Zeit prägte die Manu­ faktur. Modelle aus Gips und Karton sowie Probestücke ermöglichten eine arbeitsgeteilte Produktion, wobei Bemalung und Brand weitere Arbeitsschritte bildeten. Die zahlreichen Medaillen und Auszeichnungen, welche er während Jahren an nationalen sowie internationalen Ausstellungen gewann, unterstreichen seinen Erfolg, guten Ruf sowie Anspruch an Perfektion. Schliesslich markierte Decks Publikation "La Faïence" von 1887 einen gewissen Abschluss, denn durch seine Ernennung zum Direktor der "Manufacture nationale de Sèvres" wendete er sich dem Porzellan zu, was zugleich seine letzten Jahre von 1887–1891 zeichnete. Nach seinem Tod wurde die Manufaktur Deck, u.a. durch seinen Bruder Xavier bis zu ihrer Schliessung 1905 weitergeführt. Ferdinand Levillain für Théodore Deck: Portrait-Medaillon von Deck, ab 1900 als Manufaktur­ stempel auf den keramischen Werken benutzt. Dieses Lot wird in der ibid-Auktion versteigert.

RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2