FASZINATION FAYENCE DIE SAMMLUNG DR. PETER DUCRET 17. SEPTEMBER 2026

Über viele Jahre trug er mit sicherem Blick und großer Sachkenntnis Objekte zusammen, die von der Vielfalt und Quali- tät europäischer Keramikkunst zeugen und baute so über Jahrzehnte eine der bedeutendsten Sammlung europäischer Fayencen auf. Sein Interesse galt nicht allein der ästhetischen Schönheit der Stücke, sondern ebenso ihrer Geschichte und ihrer Herkunft. Sein Bestreben war es, Zusammenhänge sichtbar zu machen, Vergleichsmöglichkeiten zu schaffen und das Wissen über historische Keramik kontinuierlich zu erweitern und als kulturelles Erbe für die Nachwelt zu sichern. Zugute kam ihm auch sein außergewöhnliches Gedächtnis, das sowohl museale und private Sammlungen weltweit als auch die Entwicklungen des Fayencemarktes über viele Jahrzehnte hinweg umfasste. Peter hat in zahlreichen Aufsätzen wichtige Beiträge zur Keramikforschung geleistet, darunter über 15 wissenschaftliche Beiträge zur historischen Keramik (siehe Anhang) und engagierte sich während mehr als 25 Jahren als Stiftungsrat der Ceramica-Stiftung. Fast jeden Samstag besuchte mein Vater den Flohmarkt auf dem Bürkliplatz in Zürich. Eines Tages entdeckte er eine kleine Schnecke aus Fayence, deren Wert mein Vater sofort erkannte und sofort für gerade mal acht Franken erwarb. We- nig später wurde in einem renommierten Auktionshaus ein nahezu identisches Stück für ein Vielfaches versteigert. Dies machte seine Trouvaille für ihn noch «wertvoller» und die Freude darüber noch grösser. Immer wieder begleiteten wir drei Kinder unseren Vater auf seinen Streifzügen durch Antiquitätenläden. Ich sprach da- mals noch kein Französisch, doch den Satz "Est-ce que vous avez de la faïence du XVIIIe siècle?" brachte ich mühe- los über die Lippen – auch wenn ich seine genaue Bedeutung damals noch nicht verstand. Ebenso selbstverständlich wurden Begriffe wie Trouvaille, trompe-l'œil oder Chacheli (Umgangssprache im Schweizerdeutschen für Kacheln) zum festen Bestandteil unseres Familienwortschatzes. Oft kündigte er an, diesmal nichts kaufen zu wollen – doch einer be- sonderen Trouvaille oder einer wichtigen Ergänzung zu seiner Sammlung konnte er selten widerstehen. Die Freude am Entdecken blieb bis ins hohe Alter ungebrochen. Mit dieser Auktion bei Koller beginnt für die Sammlung ein neues Kapitel. Einiges bleibt in der Familie - viele Stücke je- doch verlassen die vertraute Umgebung einer über Jahrzehnte gewachsenen Privatsammlung und finden neue Besitzer und Besitzerinnen. Damit wird demWunsch unseres Vaters Rechnung getragen, dass sich auch andere kunstinteressier- te Menschen an den wunderbaren Werken erfreuen mögen. Die angebotenen Objekte vermitteln einen Eindruck von der Qualität und dem Anspruch, die seine Sammeltätigkeit prägten; sie vereinen seltene Einzelstücke mit charakteristischen Beispielen bedeutender Manufakturen und Werkstätten. Möge dieser Katalog daher nicht nur als Verzeichnis einer Auktion dienen, sondern auch als Würdigung und Erinnerung an einen Menschen, der einen bedeutenden Teil seines Lebens mit Leidenschaft, Fachwissen und Großzügigkeit der Schönheit der Keramik, ihrer Erforschung, Wertschätzung und Bewahrung gewidmet hat. Ein besonderer Dank gilt der Familie, seiner Ehefrau Amalia, meinen Geschwistern Thérèse und Catherine, unserer Mut- ter Cristina sowie allen Freunden, die meinem Vater nahegestanden sind, ihn auf seinem Weg begleitet, seine Leiden- schaft geteilt und mit ihrem Engagement dazu beigetragen haben, diese Sammlung zu dem zu machen, was sie heute ist. In liebevoller Verbundenheit Madeleine R. Ducret

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