FASZINATION FAYENCE DIE SAMMLUNG DR. PETER DUCRET 17. SEPTEMBER 2026

Sceaux (1735–1879) Bereits ab 1735 bestand eine Töpferei in Sceaux, welche sich nach dem Zusammenschluss von François Despinal und Louis-François de Bey auf die Porzellanentwicklung fokussierte. Die Manufakturleitung übertrugen sie 1748 Jacques Chapelle (1721–1773), welcher zuvor als Modellierer in der Manufaktur an der Rue de Charenton tätig war. Diverse Rei- sen, u.a. nach Strasbourg und Vincennes, bei welchen Chapelle auch in den lokalen Manufakturen arbeitete, zeugen von einer bereits breiten Erfahrung. Das königliche Privileg bzw. das Monopol für die Porzellanherstellung der Manufaktur Vincennes kam nicht nur Paul Hannong in die Quere, sondern auch Jacques Chapelle und zwang den gelernten Chemiker zu neuen Erfindungen. Chapelle’s "faïence japonnée" versuchte mit einer breiten Palette an Muffelfarben auf milchigemWeiss sowie mit mög- lichst leichter Materialität das begehrte Porzellan zu imitieren. Sein Forschungsgeist zog zahlreiche Künstler nach Sce- aux und liess die Manufaktur mit kreativen Fayence-Stücken florieren. Dazu zählten auch die in der Mitte des 18. Jh. beliebten "Trompe- l’œil" Geschirre. Das Inventar des Château d’Issou führt ein vielfältiges Gemüseservice aus Sceaux auf, welches unter anderem Melonen, Kohlköpfe, Obstschalen und Spargelbündel beinhaltete. Dank der Schirmherrschaft, durch die Herzogin Anne-Louise Bénédicte von Maine und später durch den Herzog von Penthièvre, gewann die Manufaktur an zusätzlichem Renommée seitens des französischen Adels. Während der Periode von Charles S. Jacques und Joseph Jullien (1763–72) in Sceaux entstanden vor allem belebte Landschaftsdarstellungen mit Vögeln, Früchten und Galanterien. Eine weitere Blütezeit erlebte Sceaux unter der Lei- tung von Richard Glot (1772–1794), zugleich Bürgermeister der Stadt. Unter seiner Ägide wuchs die Manufaktur zu einem Industrieunternehmen heran. Mit der immer grösser werdenden Konkurrenz im 19. Jh., verlegte die Manufaktur ihren Fokus vermehrt auf kommerzi- elle Stücke, was zum schleichenden Rückgang der Manufaktur bis hin zu ihrer Schliessung 1879 führte.

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