FASZINATION FAYENCE DIE SAMMLUNG DR. PETER DUCRET 17. SEPTEMBER 2026

1068 MÉNAGE MIT KNABE UND DELPHIN Bayreuth, um 1765. Fayence mit Muffelfarbendekor. In Form eines Knaben auf einem Delphin zwischen zwei muschelförmigen Gefässen, auf seinem Kopf ein Korb. Ohne Marke. 26 × 24 × 14,3 cm. Absplitterungen der Glasur. Provenienz: Antiquités Bastian, Strasbourg, 1990. Peter Ducret führt seine Zuschreibung zu- rück auf einen Vergleich mit einem Fayence Uhrengehäuse im Museum Bayreuth (Miller 1994, Nr. 208, S. 151). CHF 800/1 200 (€ 870/1 300) Die Markgräfliche Fayencemanufaktur Bayreuth (1716–1835) Neben Ansbach und Nürnberg gehört Bayreuth zu den frühen führenden süddeutschen Manufakturen. Markgraf Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth übertrug die Leitung demArchanisten Samuel Kempe aus Meissen, der kurz danach straffällig wurde. Die frühen Fayencen Bayreuths erhalten den für sämtliche Fayencemanufakturen in ihrer Frühzeit charakteristischen Blaudekor. Daneben wurde mit der Bayreuther "braunen Ware" ein Böttgersteinzeug-ähnliches Produkt kreiert. Das kostspielige Material wurde glasiert und erhielt seinen Dekor in Gold oder Silber mit höfischen Jagdszenen und Chinoiserien, ganz nach dem sächsi- schen Vorbild. Eine Besonderheit ist die mit ähnlichen Dekoren mit Silber dekorierte gelbe Ware. Der Staatsbetrieb wurde durch den Nachfolger des Markgrafen, Markgraf Georg Friedrich Carl ab 1729 an Johann Georg Knöller (1678–1739) verpachtet, der möglicherweise Jahre zuvor am Aufbau der Fayencefabrik beteiligt war. Unter ihm entwickelte sich die Manufaktur zu einem sehr erfolgreichen Unternehmen. Zu den prominenten Malern gehören Adam Friedrich von Löwenfinck, der 1736 von Meissen nach Bayreuth flieht, und Josef Philipp Dannhöfer 1737 bis 1744. Ein mit prachtvollem Chinoiserie-Dekor von Löwenfinck bemalter signierter Bayreuther Wal- zenkrug befindet sich im Metropolitan Museum New York. Nach Knöllers Tod 1744 treten diverse Nachfolger in die Pacht (Perioden Fränkel/Schreck und Pfeiffer/Fränkel), bis die Manufak- tur 1760 in den Besitz Johann Georg Pfeiffers übergeht und den Beginn der Periode Pfeiffer (1761–1788) einläutet. Der Betrieb bleibt auch nach Pfeiffers Tod (1767) in der Hand seiner Familie. 1788 kommt es zur Zwangsversteigerung, bis 1835 wechselten die Besitzer, auch wird die Manufaktur ab 1806 als Steingut- und Porzellanfabrik weitergeführt. 68 |

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