FASZINATION FAYENCE DIE SAMMLUNG DR. PETER DUCRET 17. SEPTEMBER 2026
1092 HOCHBEDEUTENDE BILDPLATTE VON ADAM FRIEDRICH VON LÖWENFINCK Fulda, um 1741–44. Fayence mit Aufglasurtechnik. Die Bemalung in Grisaille nach einem Kupferstich "Darbringung Jesu im Tempel" aus dem Neuen Testament (Lukas 2, 22) von Johann Christoph Steinber ger (1680–1727). Darstellung der rituellen Reinigungszeremonie Marias, rechts neben dem Altar kniend, durch das Opfer zweier junger Tauben durch Joseph zur Linken vollzogen. Simeon mit Bischofsmütze auf dem Haupt und einer Räucherampel zusam men mit der links knienden Prophetin Hannah, das Jesuskind in einer Gloriole auf der Mensa liegend. Über der Szene zwei grosse Tempelsäulen in die Wolken ragend mit zahlreichen Engelsköpfen. Am unteren Bildrand zwei Engel, der eine auf das Geschehen am Altar deutend. Signiert unten rechts "A. F. V. Löwenfincken. pinx.". 18,5 cm × 15,2 cm. Provenienz: Kunsthandel Antiquités Bastian, Strasbourg, 1982. Ausstellungen: - Ulrich Pietsch: Phantastische Welten, Staatliche Kunstsammlun gen Dresden, 1.10.2014-22.2.2015, Ausst.-Kat. Abb. 90, Nr. 196. - Gregor K. Stasch: Made in FD. Spitzentechnologie aus der Fuldaer Fayencemanufaktur (1741–1760), Vonderau Museum Fulda, 13.3.-31.5.2015, Ausst.-Kat, Abb. S. 96, Nr. 127. Literatur: Peter Ducret, "Adam Friedrich von Löwenfinck als Figuren- und Landschaftsmaler auf Fayence", in: Keramos 100/1983, S. 117-125. Die Bedeutung dieser seltenen Bildplatte liegt in der am unteren rechten Rand platzierten, seltenen Künstlersignatur eines der berühmtesten Porzellan- und Fayencemalers seiner Zeit, Adam Friedrich von Löwenfinck. Die Stationen seines Schaffens führen ihn zunächst nach Meis sen, wo er 1727–31 als Lehrling tätig ist und ab 1731–36 bereits zumMaler aufsteigt. 1736 flieht er von Meissen nach Bayreuth wo er bis 1737 bleibt, wahrscheinlich von 1737 an nach Chantilly wei terzieht und 1740 wohl an der Ansbacher Fayence-Fabrik tätig ist. 1741 kommt er schliesslich nach Fulda, wo er die künstlerische Entwicklung der kleinen aber hochbedeutenden Fayencemanu faktur mit seinen brillanten Muffelfarben und den frühen, charak teristisch farbenfrohen asiatischen Blumendekoren entscheidend prägt. Versuche einer Manufakturgründung in Fulda begannen bereits 1740 durch den in Delft ausgebildeten "Porcilainmacher" Chris tian Ruprecht. Die offenbar unbefriedigenden Ergebnisse geben dem Fuldaer Fürstabt Armand von Buseck (1737–1756, seit 1752 Fürstbischof) Anlass, sich nach neuen Lösungen umzusehen. Kurz nach Entlassung Ruprechts traf daher am 18. Februar 1741 der wenige Jahre zuvor aus Meissen entflohene Adam Friedrich von Löwenfinck ein. Mit ihm gelangte die bald vom Fürstabt ge gründete Fabrik zu hoher künstlerischer Blüte und bot vielen da mals bedeutenden Künstlern einmalige Entwicklungsmöglich keiten. Löwenfinck verliess Fulda im Jahr 1744 und nahm einige Maler mit sich, die ihm nach Höchst folgten. Andere bedeutende Modelleure wie Wenzel Neu, blieben (Fulda Ausstellung 2015). Die Qualität der aus Fulda bekannten Bildplatten ist teilweise herausragend, solche, die Adam Friedrich von Löwenfinck zuge schrieben werden können, sind selten. Werke aus seiner Meisse ner Schaffenszeit sind praktisch nie mit Malersignaturen versehen – versteckte Signaturen in der Malerei selbst ausgenommen, wur den gelegentlich diskutiert. Eine zweite signierte Bildplatte mit einer jedoch polychromen Dar stellung der Anbetung der Hirten befindet sich im Metropolitan Museum in New York, sie trägt die - nicht ganz so vollständige - Signatur am rechten unteren Bildrand: "de Löwenfincken pinx" (object number 45.61.3). Der grosse Sammler Ralph H. Wark (diverse Artikel zu Löwenfinck in KFS zwischen 1956–58) gratulierte Peter Ducret im November 1982 in einem Brief zu seinem Kauf und unterstrich die "ohne Zwei fel nun auch definitiv an Adam Friedrich Löwenfinck zuzuschrei bende Bildplatte "Anbetung der Hirten" im New Yorker Metropoli tan Museum". Das einzige ebenso vollständig signierte Werk von Adam Friedrich von Löwenfinck war eine auf Email gemalte Miniatur, die als Selbst bildnis Löwenfincks gedeutet wurde und auf der Rückseite signiert ist: A.F.v. Löwenfincken.Pinx. (P. Ducret, Keramos 100/1983, S. 117) – die Miniatur war einst im Besitz des Berliner Schlossmuseums und ist während des Zweiten Weltkriegs verschollen. Peter Ducret hatte seine Bildplatte 1983 in Keramos erst mals veröffentlicht (ebd.). Neben einer Gegenüberstellung mit der signierten New Yorker Bildplatte, stellte er sie einer wei teren aus Fulda stammenden Bildplatte mit Darstellung des Hl. Aloisius gegenüber, die von Löwenfincks Ehefrau, Maria Seraphia Schick 1745 signiert wurde (Vonderau-Museum Fulda, Inv.Nr.IVD41, Pietsch 2014, S. 35, Abb. 11). CHF 30 000/40 000 (€ 32 610/43 480) 88 |
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