IMPRESSIONISMUS & MODERNE 4. DEZEMBER 2026
3272 DIEGO GIACOMETTI (Stampa 1902–1985 Paris) Porte-verres. Um 1968. Bronze, versilbert und Alabaster. Unikat. Zwei Glasplatten (später). 87 × 44 × 44 cm. Gutachten: Catherine Vincenot und Philippe Meier, Dijon/Lausanne, 20.7.2026. Provenienz: - Gustav Zumsteg, beim Künstler in Auftrag gegeben. - Auktion Koller, Zürich, 8.12.2004, Los 3037. - Privatsammlung Miami, an obiger Auktion erworben. - Auktion Christie‘s, New York, 9.11.2006, Los 442. - Privatsammlung Schweiz, an obiger Auktion erworben und durch Erbschaft an die heutigen Besitzer. Literatur: Daniel Marchesseau: Diego Giacometti, Paris 1986, S. 211 und S. 72/73 (mit Abb.). Wir danken Catherine Vincenot und Philippe Meier für die Bestätigung der Authentizität des Werks. Mit dem bronzenen "Porte-verres" wird ein ganz besonderes Unikat aus den Hän- den von Diego Giacometti präsentiert. Ende der 60er-Jahre, etwa zur gleichen Zeit, als der Künstler für die Kronenhalle in Zürich verschiedene Lichtobjekte und einen Türgriff gestalten darf, beauftragt Gustav Zumsteg ihn auch, für den Speisesaal seines Seidenhandel-Unternehmens Abraham ein Objekt zu kreieren. Es entsteht ein rund 90 cm hoher "présentoir" für Gläser: Um eine zentrale Axe sind übereinander zwei verschieden grosse Räder mit jeweils einer Glasplatte angebracht, auf denen die Gläser Platz finden. Zuoberst thront eine Kugel aus Alabaster. Besonders reizvoll sind die für Diego Giacometti bezeichnenden tierischen Figu- ren, wie sie bei fast allen Möbeln und dekorativen Kunstgegenständen vorkommen – diese kleinen hybriden Wesen aus einer Fantasiewelt. Über dem unteren Plateau steht eine kleine Harpyie, halb Fledermaus, halb Vampir, von derselben Gestalt, wie sie Diego bereits einige Jahre zuvor bei den Hockern zum Frisiertisch für die Villa in Saint-Paul-de-Vence des Ehepaar Maeghts angebracht hat. Über dem oberen Plateau befinden sich drei Chimären, die alles beobachten. Dieses Objekt ist exemplarisch für den "Kunsthandwerker-Poeten", der es ver- steht, funktionale Robustheit, noble Verspieltheit und imaginäre Komponenten in demselben Werk zu verschmelzen. Oder wie es Jean Leymarie, Kunsthisto- riker und Freund Giacomettis schön zusammenfasste: "(...) den Sinn für das Nützliche mit dem Charme und der Frische des Märchenhaften vereinend." (Übersetzt aus: Daniel Marchesseau, Diego Giacometti, 1986, S. 22). CHF 100 000/150 000 (€ 107 530/161 290) Der Porte-verres im Speisesaal der Société Abraham in Zürich. 102
RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2