IMPRESSIONISMUS & MODERNE 4. DEZEMBER 2026

3221* HENRY MORET (Cherbourg 1856–1913 Paris) Vue de l‘Anse de Rospico. 1904. Öl auf Leinwand. Unten links signiert und datiert: Henry Moret / 1904. 65,5 × 92,5 cm. Gutachten: Jean-Yves Rolland, Paris, 16.10.2026. Provenienz: - Paul Durand-Ruel, Paris, Nr. 7853 (verso mit Etikett). - Privatsammlung Belgien, 2015 während der Art Brussels erworben. Ausstellung: Paris 1959, Rétrospective Henry Moret, Galerie Durand-Ruel, 3.–21.3.1959, Nr. 36. Wir danken Jean-Yves Rolland für die Bestätigung der Authentizität des Werks. Henry Moret verkörpert die Bretagne wie kaum ein an- derer Künstler seiner Zeit. Unweit von Pont-Aven lebend, im südlichen Finistère, liegt es auf der Hand, dass er sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts der künstlerischen Strö- mung des Synthetismus rund um dieses Dorf anschliesst. Schnell kommt er aber von der konstruierten Flächigkeit wieder ab und wendet sich einer impressionistischeren Malweise zu. Es sind die echten Empfindungen der Natur und des bretonischen Lebens, die er einfangen möchte: das flirrende Licht, das Zusammenspiel zwischen Be- ständigkeit und Vergänglichkeit, zwischen fester und flüssiger Materie. Während andere Künstlerkollegen die Bretagne wieder verlassen, bleibt sie für Moret zeitlebens Mittelpunkt seines Schaffens und Lebens. Tagelang ist er unterwegs, auf dem Wasser, um die Sardinenfischer zu beobachten, oder an Land, am Rand der Falaises sitzend, um das Kommen und Gehen der Wellen oder die Seetang­ fischer (les goémoniers) bei ihrer Arbeit zu betrachten. Vielleicht wirken deshalb seine Gemälde so authentisch, real und gleichzeitig poetisch und intim. In dem grossformatigen Werk "Vue de l’Anse de Rospico" legt eine Gruppe Männer und Frauen nach getaner Arbeit eine Pause ein. Der aus dem Meer gefischte rötliche See- tang liegt aufgeschichtet am Ufer. Die Arbeiter und Arbei- terinnen, in mildes Licht getaucht, strahlen eine feierliche Ruhe aus. Bis auf ein paar harmlose Schaumkronen der sich brechenden Wellen am Eingang der Bucht ist auch das Meer zahm. Die Unendlichkeit des Meeres und des Himmels treffen sich amHorizont, ohne sich jedoch zu ver- mischen dank der abgestuften Blautöne. Überhaupt zeigt sich hier Morets meisterhaftes Auge für die Farbkomposi- tion. Das Ocker der Granitfelsen am rechten Bildrand wird von dem Seetanghaufen auf der linken Seite wieder aufge- nommen und spiegelt sich in den Gesichtern und Händen der Arbeitenden wider. Das Blau des Wassers findet sich in den Schürzen und Kopftüchern der Arbeiterinnen wieder, und das gräuliche Weiss der Wolken und der Gischt findet sein Pendant in den Steinen der Mauer sowie im Halstuch des Arbeiters ganz links. Moret gelingt es, eine alltägliche Szene in ein stimmungs- volles, ewig gültiges und zugleich persönliches Sinnbild des bretonischen Lebens und der bretonischen Natur zu verwandeln. "C’est l’œuvre homogène et sincère d’un contemplatif épris de la mer et qui sait merveilleusement exprimer ce qu’il aime." (Henry Éon, zitiert in: Ambroise, Henry Moret, 2021, S. 104). CHF 80 000/120 000 (€ 86 020/129 030) 34

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