IMPRESSIONISMUS & MODERNE 4. DEZEMBER 2026

3232* PABLO PICASSO (Málaga 1881–1973 Mougins) Nature morte sur une table. 1919. Aquarell über Bleistift auf Papier. Unten rechts signiert: Picasso. 27,5 × 19,5 cm. Provenienz: - Galleria BLU, Mailand. - Privatsammlung Verona, in obiger Galerie erworben. Literatur: - Zervos, Christian: Pablo Picasso. Supplément aux années 1914–1919, Paris 1975, Bd. XXIX, S. 168, Nr. 456 (mit Abb.). - Wofsy, Alan (Hrsg.): Picasso‘s paintings, watercolors, drawings & sculpture. A comprehensive illustrated catalogue 1885–1973. From Cubism to Neoclassicism 1917–1919, San Francisco 1995, S. 260, Nr. 19-294 (mit Abb.). - Prof. Dr. Enrique Mallen: Picasso Project. Digital Catalogue Raisonné, Nr. OPP.19:509 (Onlinewerkverzeichnis: https://picasso.shsu.edu/index. php?view=ArtworkInfo&OPPID=OPP.19:509). Das vorliegende Stillleben entsteht 1919 in einer Phase, in der Pablo Picasso seine kubistische Bildsprache weiterentwickelt und zugleich neue künstlerische Wege beschreitet. Nach den radikalen Experimenten des analytischen und synthetischen Kubismus der Vorkriegsjahre wendet sich der Künstler ab 1917 zunehmend auch einer klassizistisch geprägten Formensprache zu. Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit dem sogenannten "retour à l‘ordre", einer nach dem Ersten Weltkrieg einsetzenden Rückbesinnung auf klassische Vorbilder. Picasso gibt den Kubismus jedoch keineswegs auf, sondern verfolgt beide Stilrichtungen über meh- rere Jahre parallel. Insbesondere das Stillleben bleibt ein zentrales Experimentierfeld seiner kubisti- schen Malerei. Alltägliche Gegenstände wie Gitarren, Flaschen, Gläser und Krüge, die bereits seit den frühen 1910er-Jahren zu seinem bevorzugten Motivrepertoire gehören, werden auf charakteristische Formen reduziert und zu neuen Bildgefügen zusammengesetzt. Die vorliegende Arbeit lässt eine auf wenige geometrische Ele- mente verdichtete Innenraumsituation erkennen, in der sich die Gegenstände auf einer Tischplatte vor einem architektonisch gegliederten Hintergrund anordnen. Die Überlagerung der Flächen, die unterschiedlichen Blickwinkel und das Wech- selspiel zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion verweisen auf die Errungen- schaften des synthetischen Kubismus. Besonders aufschlussreich ist der Zusammenhang mit einer Gruppe von Stillleben aus dem Jahr 1919, in denen Picasso das Motiv eines Tisches mit Gegenständen vor einem geöffneten Fenster aufgreift. Deutliche kompositorische Parallelen be- stehen insbesondere zu dem ebenfalls 1919 entstandenen Gemälde "Nature morte sur une table devant une fenêtre ouverte". Die verwandte Anordnung der Gegen- stände sowie die geometrische Gliederung des Bildraums legen nahe, dass die vorliegende Papierarbeit als vorbereitende Studie innerhalb dieser Werkgruppe zu verstehen ist. CHF 180 000/280 000 (€ 193 550/301 080) 48

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