POST-WAR & CONTEMPORARY 3. DEZEMBER 2026

3421 MIRIAM CAHN (Basel 1949–lebt und arbeitet in Stampa) kirschbaum kurz vor der ernte. 1996. Öl auf Leinwand. Verso betitelt, datiert und signiert: kirschbaum kurz vor der ernte 27.6.96 MM. 97 × 105 cm. Provenienz: - Galerie Stampa, Basel. - Privatsammlung Schweiz, 1998 in obiger Galerie erworben. Dieses Werk ist im Archiv der Künstlerin unter der Nummer 1803 verzeichnet. In Miriam Cahns Arbeiten begegnen uns Menschen, Tiere, Gegen- stände und Natur, direkt und ohne Beschönigung. Menschen erschei- nen nackt, Gesichter frontal, Formen vereinfacht. Die Bilder scheuen weder Verletzlichkeit noch Widersprüche. Dabei geht es nicht nur um das Dargestellte, sondern auch um den körperlichen Vorgang des Ma- lens. Der Körper ist ein zentrales Thema in Cahns Arbeit. Nacktheit ist dabei etwas Existenzielles. Sie zeigt Menschen ohne Kleidung und stellt da- mit gewohnte Vorstellungen davon infrage, wie ein Körper auszusehen hat und wie wir ihn betrachten. In ihrer unmittelbaren Bildsprache liegt auch eine feministische Haltung, die sich über gängige Schönheits- ideale hinwegsetzt und gesellschaftliche Normen unterläuft. Die Figuren sind nicht immer allein. Körper können sich überlagern, ineinander übergehen oder in ihrer Erscheinung kaum voneinander zu trennen sein. Daneben stehen Bilder, die mit wenigen Formen auskom- men. Ein Gegenstand wird zur grossen farbigen Fläche, ein Baum zur ausgreifenden Form. Die Darstellungen wechseln, doch die Malerei bleibt direkt. Ein Baum muss nicht für das Leben stehen, ein Tier nicht für eine menschliche Eigenschaft. Cahn wehrt sich gegen festgelegte Symbole und psychologische Klischees, die das Dargestellte auf eine bestimmte Bedeutung reduzieren. Konturen verschwimmen, Formen lösen sich auf oder treten deutlich hervor. Der Farbauftrag bleibt sichtbar, mal dünn und zurückhaltend, mal dicht und kräftig. Das Malen selbst bleibt spürbar. Cahns Arbeiten zeigen Menschen und die Welt um sie herum ohne Scheu vor dem Hässlichen, dem Verletzlichen oder dem Banalen. Die Bilder verlangen keinen Konsens. Sie erklären sich nicht. Sie sind da. Direkt. Unmittelbar. CHF 35 000/45 000 (€ 37 630/48 390) 26

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