POST-WAR & CONTEMPORARY 3. DEZEMBER 2026
3430* LYNN CHADWICK (London 1914–2003 Gloucestershire) First Stair Pair. 1991. Bronze. 6/9. Auf dem Sockel mit dem eingeschlagenen Künstlersignet, der Referenznummer und dem Giesserstempel: C111 P.E. 50 × 25 × 23 cm. Provenienz: - Galleria Blu, Milano. - Privatsammlung Italien, 1998 in obiger Galerie erworben. Literatur: Eva Chadwick and Dennis Farr: Lynn Chadwick. Sculptor: with a complete illustrated catalogue 1947–1988, Stroud 1997, S. 406, Nr. C111 (mit Abb.). Wir danken dem Lypiatt Studio und dem Estate of Lynn Chadwick für die freundliche Unterstützung, 29.9.2026. Dieses Werk ist im Archiv des Estate of Lynn Chadwick registriert. Im Zentrum von Lynn Chadwicks Œuvre steht die menschliche und tierische Figur. Während seine frühen Arbeiten häufig durch ruhige, statisch anmutende Haltungen geprägt sind, gewinnt die Darstellung von Bewegung im späteren Schaffen zuneh- mend an Bedeutung. Anfang der 1990er-Jahre widmet sich Chadwick verstärkt dem Motiv des Treppensteigens. Die vorliegende Skulptur "First Stair Pair" von 1991 zeugt von Chadwicks anhalten- dem Interesse an zwischenmenschlichen Beziehungen. Zwei weibliche Protagonis- tinnen begegnen sich auf einer Treppe: Während die eine aufsteigt, bewegt sich die andere abwärts. Aus dieser gegenläufigen Dynamik entwickelt der Bildhauer eine rhythmisch ausgewogene Komposition, in der Bewegung und Ruhe in ein span- nungsvolles Gleichgewicht treten. Die gesichtslos gestalteten Köpfe lassen offen, ob die beiden Figuren einander wahrnehmen oder miteinander kommunizieren. Diese bewusste Mehrdeutigkeit verleiht der Szene besondere Spannung und Aus- druckskraft. Die Plastik vereint zentrale Merkmale von Chadwicks künstlerischem Schaffen: geo- metrische Abstraktion, die Verdichtung des Körpers auf prägnante Formen und die subtile Interaktion im Raum. Die kantigen, zierlichen und armlosen Körper sowie die markanten, pyramidenförmigen Köpfe setzt Chadwick gezielt zur Darstellung weiblicher Figuren ein. Ihre Ausdruckskraft entfaltet sich weniger über individuelle Gesichtszüge als vielmehr durch die Körperhaltung und räumliche Ausrichtung der Figuren, die ihre Beziehung zueinander bestimmen. CHF 70 000/100 000 (€ 75 270/107 530) 36
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