POST-WAR & CONTEMPORARY 3. DEZEMBER 2026
3431 ANTONIO SAURA (Huesca 1930–1998 Cuenca) Ciega. 1958. Öl auf Leinwand. Oben rechts signiert und datiert: Saura 58. Auf dem Keilrahmen signiert, betitelt und datiert: SAURA "CIEGA" 1958. 130 × 97,5 cm. Provenienz: - Beniamino Levi Arte Moderna, Milano (verso mit Etikett und Stempel). - Galerie van de Loo, München (verso mit Stempel). - Privatsammlung Schweiz. Dieses Werk ist in den Archiven der Fondation Antonio Saura und im Werkver- zeichnis unter der Nummer WCV.DAMT@1958.CIEGA registriert. Auf Wunsch und Kosten der Käufer kann ein Gutachten erstellt werden. Mit "Ciega" von 1958 zeigt Antonio Saura eine menschliche Figur in einer für sein Schaffen der späten 1950er-Jahre charakteristischen, gestisch-expressiven Bild- sprache. Die hochformatige Leinwand wird von einem dichten Geflecht aus schwar- zen, grauen und hellen Pinselzügen bestimmt. Breite, kraftvoll gesetzte Farbbahnen treffen auf feine, fast zeichnerische Linien. Dazwischen bleibt der helle Bildgrund sichtbar. Aus diesem Geflecht tritt die Gestalt nur bruchstückhaft hervor. Kreisende und ova- le Formen lassen Gesicht und Körper erahnen, während die Überlagerungen klare Konturen wieder auflösen. Figur und Hintergrund gehen ineinander über. Die Dar- stellung bewegt sich zwischen Figuration und Abstraktion, einem für Sauras Male- rei charakteristischen Spannungsfeld. Die Beschränkung auf Schwarz, Weiss und Grau verleiht dem Gemälde eine beson- dere Intensität. Seit 1956 entwickelt der autodidaktische Künstler seine charakteris- tischen Schwarz-Weiss-Kompositionen sowie die Werkgruppen der "Damen" und "Selbstbildnisse". Die menschliche Figur erscheint dabei nicht als naturalistisches Abbild, sondern als archetypische Form, die Saura durch den unmittelbaren Farb- auftrag deformiert, überlagert und neu konstituiert. Der Titel "Ciega" – "Blinde" – gibt der Darstellung eine zusätzliche Bedeutung. Das angedeutete Gesicht bleibt anonym und entzieht sich einer eindeutigen Identifika- tion. So entsteht eine Darstellung, die sich dem Blick zugleich zeigt und entzieht. Eben dieses Wechselspiel zwischen Erkennen und Nicht-Erkennen prägt die Wir- kung des Werkes. Das Entstehungsjahr 1958 markiert eine wichtige Phase in Sauras künstlerischer Entwicklung. In diesem Jahr schafft er seine ersten "Imaginären Porträts" und nimmt gemeinsam mit Eduardo Chillida und Antoni Tàpies an der Biennale von Venedig teil. Bereits im Vorjahr gründet er in Madrid zusammen mit weiteren Künstlern die Gruppe "El Paso", die zu den prägendsten Kräften der Erneuerung der spanischen Nachkriegskunst zählt. CHF 60 000/90 000 (€ 64 520/96 770) 38
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