POST-WAR & CONTEMPORARY 3. DEZEMBER 2026

3437 RICHARD SERRA (San Francisco 1939–2024 Orient) Torus III. 2000. Paintstick auf Papier. Verso datiert, signiert und mit Richtungspfeil: 2000 R Serra. 67,8 × 86 cm. Gutachten: Richard Serra & Galerie m (Galeriezertifikat), Bochum (in Kopie vorhanden). Provenienz: - Künstlerstudio. - Galerie m, Bochum. - Privatsammlung Schweiz, 2002 in obiger Galerie an der Art Basel erworben. Wir danken dem Richard Serra Studio für die freundliche Unterstützung. Dieses Werk ist im Archiv des Künstlers unter der Nummer RS-1620 registriert. "There is no way to make a drawing – there is only dra- wing", erklärt Richard Serra 1977. Das Zitat verweist auf einen zentralen Aspekt seines zeichnerischen Œuvres: Zeichnung ist für Serra nicht die blosse Visualisierung ei- ner bereits entwickelten Idee, sondern ein eigenständiger schöpferischer Prozess. Seit den frühen 1970er-Jahren bildet sie einen autonomen Werkbereich, der formal und konzeptuell eng mit seinen Skulpturen verbunden ist, ohne ihnen als Entwurf oder Vorstudie untergeordnet zu sein. In beiden Medien untersucht Serra grundlegende Fragen nach Gewicht, Dichte, Balance und der körperlichen Wahr- nehmung von Form im Raum. AbMitte der 1970er-Jahre verwendet Serra für seine Zeich- nungen bevorzugt schwarzen Paintstick, eine feste Verbin- dung aus Pigment, Öl und Wachs. Das Material lässt sich malerisch auftragen, aber auch drücken, reiben und in den Bildträger einarbeiten. Auf diese Weise gewinnen seine Paintstick-Zeichnungen eine ausgeprägt physische, fast plastische Wirkung. Das Schwarz erscheint nicht allein als Farbe, sondern als dichte, lichtabsorbierende Materie, die selbst auf der flachen Papieroberfläche eine eigentümli- che Schwere entfaltet. In "Torus III" trifft dieses Verständnis von Zeichnung auf eine elementare geometrische Form. Ein Torus ist ein ring- förmiger Körper, der durch die Rotation eines Kreises um eine ausserhalb seiner Fläche liegende Achse entsteht. Schon aus mathematischer Sicht ist die Form somit das Ergebnis einer Bewegung, die für Serras Werk von zentra- ler Bedeutung ist. Im Farbauftrag verliert diese geometrische Grundform jedoch ihre mathematische Perfektion. Die Fläche ist we- der vollkommen geglättet noch homogen; Verdichtungen, Unebenheiten und Spuren der Bearbeitung machen den Herstellungsprozess sichtbar. Gleichzeitig setzt Serra die geschlossene Rundform in Kontrast zum trapezförmigen Papierformat. Schwarze Masse und weisse Fläche, Run- dung und kantiger Bildträger stehen in einem spannungs- vollen Verhältnis zueinander. Das Papier trägt dabei we- sentlich zur plastischen Wirkung bei. Die Beschäftigung mit Kreis, Ellipse und Krümmung ge- winnt in Serras Werk insbesondere seit den 1990er-Jah- ren an Bedeutung. In den 1996 und 1997 entstandenen "Rounds" untersucht er systematisch runde und elliptische Formen sowie deren Verhältnis zum rechteckigen Papier- format. Parallel dazu entstehen die ersten "Torqued Ellip- ses". In diesen monumentalen Stahlskulpturen wird eine zunächst klar erkennbare geometrische Grundform durch Torsion und Neigung räumlich verändert. Beim Durch- schreiten und Umschreiten der Skulpturen verändert sich die Wahrnehmung der Form je nach Blickwinkel. Die Geo- metrie bildet dabei den Ausgangspunkt, doch erst durch die Bewegung des Betrachtenden entfaltet sich die räum- liche Wirkung der Skulpturen. In "Torus III" zeigt sich dieselbe Auseinandersetzung in konzentrierter Form auf dem Papier: als Zusammenspiel von geometrischer Ordnung, materieller Dichte und räum- licher Wahrnehmung. CHF 150 000/250 000 (€ 161 290/268 820) Richard Serra imKünstleratelier vonGemini, 1998. Foto: Sidney B. Felsen. Getty Research Institute, 2019. R.41. Schenkung von Jack Shear. Foto © J. Paul Getty Trust. 44

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