POST-WAR & CONTEMPORARY 3. DEZEMBER 2026
3440 GEORGES MATHIEU (Boulogne-sur-Mer 1921–2012 Paris) Saint Denis. 1965. Öl auf Leinwand. Unten links signiert und datiert: Mathieu 65. Auf dem Keilrahmen betitelt: "SAINT DENIS". 162 × 97 cm. Gutachten: Archives Jean-Marie Cusinberche sur Georges Mathieu, Paris, 2.10.2026. Provenienz: - Auktion Briest, Paris, 24.6.1994, Los 10. - Privatsammlung Schweiz. Nach einem zunächst geisteswissenschaftlich geprägten Bildungsweg wendet sich Georges Mathieu in den 1940er-Jahren der Malerei zu und entwickelt eine eigenstän- dige Bildsprache, die auf Spontaneität, Geschwindigkeit und gestischem Ausdruck be- ruht. Als prägender Vertreter des Tachismus und der lyrischen Abstraktion versteht er das Malen als unmittelbaren schöpferischen Akt, bei dem Linien, Zeichen und Farben zum Ausdruck innerer Energie werden. Seine kalligrafisch geprägten Kompositionen zeichnen sich durch ein feines Gespür für Rhythmus und Bildaufbau aus. Das 1965 entstandene Ölgemälde "Saint Denis" zeigt eine filigrane, vertikal ausgerichte- te Komposition auf weissem Grund. Im Zentrum verdichten sich türkisblaue, weisse und goldfarbene Linien zu einem komplexen Geflecht, das an architektonische Strukturen oder abstrakte Schrift erinnert. Lange, feine Striche reichen bis in den unteren Bildbe- reich und stehen im Kontrast zu den konzentrierten Formen im oberen und mittleren Teil des Gemäldes. Die grosszügigen Freiflächen verleihen der Komposition Leichtigkeit und lassen die einzelnen Zeichen beinahe schwerelos erscheinen. Der Wechsel zwi- schen pastosem Farbauftrag und feinen Linien erzeugt eine Spannung zwischen der Materialität der Farbe und der Leichtigkeit der Zeichnung. Trotz ihrer Spontaneität folgt die Komposition einer klaren inneren Ordnung. Der Titel "Saint Denis" verweist auf den heiligen Dionysius von Paris und eröffnet damit einen historischen und möglicherweise religiösen Bezug. Eine konkrete religiöse Dar- stellung lässt sich jedoch nicht erkennen. Vielmehr greift Mathieu kulturelle und histori- sche Assoziationen auf und überträgt sie in seine abstrakte Bildsprache. Das Werk ist ein charakteristisches Beispiel der lyrischen Abstraktion der europäischen Nachkriegsmoderne. Diese wendet sich sowohl von der gegenständlichen Darstellung als auch von streng geometrischen Bildkonzepten ab. Mathieu verbindet die Freiheit des unmittelbaren Malprozesses mit einer bewussten Gestaltung der Bildfläche. "Saint Denis" zeigt, wie der Künstler eine ausdrucksstarke Komposition schafft, die zugleich Raum für unterschiedliche Assoziationen lässt. CHF 70 000/100 000 (€ 75 270/107 530) 48
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