POST-WAR & CONTEMPORARY 3. DEZEMBER 2026
3446 SERGE POLIAKOFF (Moskau 1900–1969 Paris) Composition abstraite. 1952. Öl auf Leinwand. Unten rechts signiert: Serge Poliakoff. 89 × 130 cm. Provenienz: - Paris, Galerie Melki, Paris (verso mit Etikett). - Auktion Christie‘s, London, 6.4.1989, Los 570. - Galerie Pro Arta, Zürich (verso mit Etikett). - Privatsammlung Schweiz, 1989 in obiger Galerie erworben. Ausstellungen: - New York City 1953, Serge Poliakoff, Circle & Square Gallery, 3.3.–21.3.1953. - Zürich 1989, Serge Poliakoff, Galerie Pro Arta, 13.10.–1.12.1989, Kat. S. 19 (mit Abb.). Literatur: - Alexis Poliakoff: Serge Poliakoff. Catalogue raisonné, Paris 2010, Bd. I, S. 397, Nr. 52–04 (mit Abb.). - Gérard Durozoi: Serge Poliakoff. Expressions contempo- raines, Angers 2001, S. 164 (mit Abb.). Dieses Werk ist in den Archives Serge Poliakoff, Paris, unter der Nummer 952025 registriert. Der in Moskau geborene Künstler Serge Poliakoff verlässt 1917 Russland und gelangt über verschiedene Statio- nen 1923 nach Paris. Neben seiner Tätigkeit als Gitarrist widmet er sich der Malerei und entwickelt ab Ende der 1930er-Jahre eine zunehmend eigenständige abstrakte Bildsprache. Unter dem Einfluss von Wassily Kandinsky, Sonia und Robert Delaunay sowie der russischen Ikonen- tradition konzentriert er sich auf die expressive Kraft der Farbe und das Zusammenspiel freier Formen. Das 1952 entstandene Werk "Composition abstraite" steht im Kontext der Nouvelle École de Paris und der lyrischen Abstraktion. Poliakoff entwickelt eine autonome Bildord- nung, in der Farbe, Form und Materialität die zentrale Rolle übernehmen. Er bleibt seiner charakteristischen Bildsprache im Laufe seines Schaffens weitgehend treu. Die Kompositionen folgen einem wiedererkennbaren Ge- rüst aus Grundlinien und Achsen, die den Bildaufbau klar strukturieren. Die Hauptachsen verlaufen dabei mittig in vertikaler, horizontaler und diagonaler Richtung, wobei die Diagonalen nicht exakt in die Ecken des Bildträgers zei- gen, sondern leicht versetzt sind. Das vorliegende Werk besteht aus vier grossflächigen, in- einandergreifenden Farbflächen, deren unregelmässige Konturen eine spannungsvolle und zugleich ausgewoge- ne Komposition bilden. Ockergelb, Blau, kräftiges Rot und gebrochenes Weiss stossen unmittelbar aneinander. Auf illusionistische Raumtiefe verzichtet Poliakoff bewusst. Dennoch entsteht durch die wechselnden Konturen eine subtile räumliche Wirkung: Einzelne Flächen scheinen hervorzutreten, während andere zurückweichen. Das Ver- hältnis von warmen und kühlen Tönen, dunklen und hellen Partien sowie geraden und organischen Begrenzungen bestimmt den visuellen Rhythmus. Die sichtbare, körnige und stellenweise reliefartige Ober- flächenstruktur verstärkt die materielle Wirkung des Ge- mäldes. Feine Unregelmässigkeiten innerhalb der Farb- flächen brechen deren Geschlossenheit und lassen sie lebendig erscheinen. Der Blick wandert zwischen den kontrastreichen Farbfel- dern, ohne einen eindeutigen Mittelpunkt zu finden. So entsteht ein dynamisches Gleichgewicht, in dem jede Far- be ihre Wirkung entfaltet und zugleich mit den benachbar- ten Flächen in Beziehung tritt. Die Abstraktion erscheint dadurch nicht als starre Geometrie, sondern als organisch gewachsene, musikalisch anmutende Ordnung aus Farbe, Form und Rhythmus. CHF 400 000/600 000 (€ 430 110/645 160) 58
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