POST-WAR & CONTEMPORARY 3. DEZEMBER 2026
Der kolumbianische Künstler Fernando Botero entwickelt eine unverwechselba- re Bildsprache, die sich durch voluminöse Figuren, vereinfachte Formen und eine besondere räumliche Präsenz auszeichnet. Während seiner Aufenthalte in Europa setzt er sich intensiv mit der Kunst der italienischen Renaissance und den Werken Alter Meister auseinander. Diese Einflüsse verbindet er mit Motiven aus dem ko- lumbianischen Alltag und der lateinamerikanischen Kultur zu einem eigenständigen Stil, der häufig humorvoll erscheint und zugleich menschliche Eigenheiten mit feiner Beobachtungsgabe erfasst. Fernando Boteros frühes Gemälde "Laúd negro" entsteht 1958, als der kolumbiani- sche Künstler erst 26 Jahre alt ist. Zu dieser Zeit befindet er sich noch auf der Suche nach seinem eigenen künstlerischen Stil. Dennoch klingen in diesem Werk bereits erste Merkmale seiner später so charakteristischen Bildsprache an. Bereits auf den ersten Blick beeindruckt das monumentale Stillleben durch seine dunklen, grossflächigen Farbpartien und voluminösen Formen, die der Komposition eine ausgeprägte Schwere verleihen. Eine quer liegende schwarze Laute nimmt die Bildmitte ein. Ihr runder, gewölbter Korpus bildet das Zentrum der Komposition. Mehrere geschwungene Linien folgen den Rundungen des Instuments und gliedern die dunkle Oberfläche in differenzierte Grau- und Schwarztöne. Der braune Hals reicht nach links bis zumWirbelkasten. Da- runter befindet sich ein offenes Notenblatt, dessen angedeutete Schriftzeilen her- vortreten. Unterhalb der Laute liegt eine Klarinette, deren metallische Details durch kleine helle und rötliche Akzente hervorgehoben werden. Die rechte Bildhälfte wird von einem grossen Krug in Ocker, Rostbraun und gedämpftem Gelb beherrscht. Da- hinter zeichnet sich sein Schatten als breite, nahezu schwarze Fläche ab. Über den Gegenständen hebt sich ein horizontaler, cremefarbener Wandabschnitt von den dunklen Partien ab und bildet einen klaren Kontrast. An den seitlichen Bild- rändern treten kräftige Violett- und Blautöne hervor. Diese Farbflächen strukturie- ren den Bildraum, ohne ihm viel Tiefe zu verleihen. Vielmehr entsteht eine flächige, bühnenartige Anordnung, in der die Gegenstände dicht nebeneinanderliegen und greifbar erscheinen. Gerade darin liegt der kunsthistorische Reiz von "Laúd negro". Botero setzt sich mit der europäischen Stillleben-Tradition auseinander. Sein Interesse an runden For- men, ausgewogenen Proportionen und kompositorischer Ordnung ist bereits er- kennbar. Zugleich erprobt er das Zusammenspiel von Fläche, Farbe und Form. Das Gemälde stammt aus einer wichtigen Phase seiner künstlerischen Entwicklung, in der sich die für sein späteres Werk charakteristische Betonung des Volumens be- reits abzeichnet. © Archiv Fernando Botero 64
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