POST-WAR & CONTEMPORARY 3. DEZEMBER 2026
3472 RAINER FETTING (Wilhelmshaven 1949–lebt und arbeitet u.a. in Berlin) Rumpelstilzchen. 1990. Öl, Sand und Tannenzapfen auf Leinwand. 3-teilig 1. Teil verso nummeriert, bezeichnet, betitelt, signiert, datiert und mit Technikangabe: 290/450 B 199 1 Teil Rumpelstilzchen Fetting Jan 90 Öl / Sand Tannenzapfen. 2. Teil verso bezeichnet: B 199 2 Teil. 3. Teil verso bezeichnet: B 199 3 Teil. 290 × 450 cm, jeweils 290 × 150 cm. Provenienz: - Galerie Raab, Berlin. - Sammlung Lichtenstein, 1990 in obiger Galerie erworben. - Schweizer Sammlung. Ausstellung: Berlin/Weimar 1990, Rainer Fetting. Berlin/New York. Gemälde und Skulpturen, Staatliche Museen zu Berlin, DDR, Nationalgalerie, 17.3.–15.4.1990/Stadtmuseum Weimar, Kabinett am Goetheplatz, 14.7.–23.8.1990, Kat. S. 62, Nr. 30. Rainer Fettings Arbeit ist eng mit den gesellschaftlichen und historischen Umbrüchen seiner Zeit verbunden. Seine Malerei beschränkt sich jedoch nicht auf die Wiedergabe realer Ereignisse, sondern eröffnet einen vielschichtigen Dialog zwischen Geschichte, Gegenwart und kulturellem Gedächtnis. In "Rumpelstilzchen" verbindet Fetting zeit- geschichtliche Motive wie die Mauerspechte mit einer Fi- gur aus dem Grimm’schen Märchen. Beide verweisen auf unterschiedliche Formen der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und setzen das reale Geschehen in Bezie- hung zu einer literarischen Überlieferung. Die Mauerspechte, die nach dem Fall der Berliner Mau- er 1989 Teile des Bauwerks abtragen, stehen sinnbildlich für das Ende der deutschen Teilung und den Aufbruch in eine neue historische Wirklichkeit. Die Mauer ist weit mehr als eine bauliche Grenze: Sie verkörpert die politische und ideologische Spaltung Deutschlands und prägt über Jahr- zehnte das Leben ganzer Generationen. Ihre Öffnung und ihr Abbruch markieren einen tiefgreifenden Wandel. In der künstlerischen Auseinandersetzung verdichtet sich die- ses historische Ereignis zu einem Bild von Vergänglichkeit, Befreiung und Neubeginn. Mit "Rumpelstilzchen" tritt eine andere Ebene hinzu. Das Märchen der Brüder Grimm ist tief in der deutschen Kul- turgeschichte verankert und ruft eine vertraute, zugleich geheimnisvolle Vorstellungswelt auf. Im Zentrum steht eine Figur, deren Macht an ein verborgenes Wissen ge- bunden ist und erst durch das Erkennen ihres Namens gebrochen werden kann. Täuschung, Erkenntnis und die Überwindung einer ausweglosen Situation prägen die Er- zählung. Wie im Märchen eine unerwartete Wendung ein- tritt, verändert sich mit dem Fall der Berliner Mauer eine jahrzehntelang bestehende politische Ordnung. Zwischen Mauer und Märchen entsteht eine überra- schende Verbindung. Fetting verknüpft den Moment des Umbruchs mit einer Figur, deren Macht an einem Namen hängt. So wird "Rumpelstilzchen" zu einem Bild über die Bedeutung von Grenzen – und über den Moment, in dem sie fallen. CHF 60 000/90 000 (€ 64 520/96 770) 94
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