Koller View 4/21

20 Nagasena galt als bedeutender buddhistischer Wei- ser seiner Zeit, dem 2. Jahrhundert vor Christus. Der Legende nach beantwortete er die unzähligen Fragen des hellenistischen König Menandros (reg. ca. 160– Vorschau auf die Asiatika-Auktion vom 30. November 2021 Saubere Ohren für die Wahrheit 130 v. Chr.) so bildhaft und überzeugend, dass dieser zum Buddhismus übertrat. Eine polychrom gefasste chinesische Steinzeugfigur aus unserer Asiatika-Auk- tion vom November zeigt nun Nagasena als buddhis- tischen Mönch, der sich das Ohr säubert. Dies tut er, um seinen Gehörgang für dieWahrheit offen zu halten und um zu verhindern, dass er Lügen und Gerüchten aufsitzt. Nagasena gehört traditionell zur Gruppe der 18 Luohans des Mahayana. Entstanden ist die seltene und ausdrucksstarke Figur (Abb. 4) im Zeitraum der späten Song- bis frühen Ming-Dynastie (13./14.Jh.). Eine besondere Provenienz hat der Acuoye-Guanyin, Glücksbringer und Retter in der Not, in dieser Auktion (Abb. 2). Diese Figur entspricht einem seltenen Typus des Avalokiteshvara, den es nur im damaligen König- reich Dali gab, in der heutigen chinesischen Provinz Yunnan. Nach Europa gebracht hat sieMarie Pierre Isle de Beauchaine, der 1881 in Orléans zur Welt kam und 1934 in Hanoi verstarb. Er kam in jugendlichen Jahren zu einem Verwandten nach Tonkin in Vietnam, nach- dem er in Frankreich aus dem Internat getürmt war. In Hanoi wurde er Zollbeamter, reiste viel und beteiligte sich unter anderem an archäologischen Expeditionen im nördlichen Laos. In jenen Jahren befreundete er sich auch mit dem vorletzten vietnamesischen Kaiser Khai Dinh, der selbst Buddhist war. Vergleichbare Dar- stellungen des Acuoye-Guanyin wie unsere aus dem 12. Jahrhundert finden sich heute im British Museum London, im Metropolitan Museum New York, im Den- ver Art Museum, imMusée Guimet in Paris und selbst- verständlich auch im Yunnan Provincial Museum in Kunming. Eine aus Pra Kon Chai in der ostthailändischen Pro- vinz Buriram stammende Bronze (Abb. 1). zeigt eben- falls die Gottheit Avalokiteshvara. Hier begegnet sie uns in einer frühen Ausformung des 8. Jahrhunderts, die in dieser Grösse nur sehr selten zu finden ist. Ein weiteres hochkarätiges buddhistisches Werk ist das aus dem Südtibet des 15. Jahrhunderts stammen- de Thangka-Mandala (Abb. 3), dessen reicher Dekor sich mit dem Kolorit in Grün-, Rot- und Gelbtönen zu einem harmonischen Ganzen vereint. FÜR WEITERE INFORMATIONEN ASIATICA Regi Preiswerk preiswerk@kollerauktionen.ch ONLINE-KATALOGE www.kollerauktionen.ch 1 A valokiteshvara, Bronze. Thailand, Pra Kon Chai, ca. 8. Jh. H 49,5 cm. Schätzung: CHF 80 000/120 000 2 A cuoye-Guanyin, Bronze. China, Königreich Dali, 12. Jh. H 33 cm. Schätzung: CHF 100 000/150 000 3 T hangka: Mandala des Amitayus. Südtibet, 15. Jh. 62 × 55 cm. Schätzung: CHF 30 000/50 000 4 N agasena, polychrombemaltes Steinzeug. China, 13./14. Jh. H 44,5 cm. Schätzung: CHF 100 000/150 000 1 2 3

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