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4 Marc Chagall Üppige Blumenbouquets gehörten schon seit den frühen 1920er-Jahren zu Chagalls Bildprogramm. Der hier gezeigte provenzalische Sommerstrauss steht überdimen- sional in der Landschaft. Im Hintergrund ist unschwer das südfranzösische St. Paul-de-Vence zu erkennen, wo Chagall seit Mitte der Sechzigerjahre lebte. Wie in vielen seiner späten Werke kehren auch hier Versatzstücke seiner früheren Schaffensphasen zurück, so die Ziege oder das Liebespaar am linken Bildrand. Chagall komponiert idealisierte Szenerien – gespeist von seinen Erinnerungen, auch an seine 1944 verstorbene erste Frau Bella Rosenfeld, die nicht nur Adressatin vieler echter Bouquets, sondern ebenso der gemalten war. Dabei entstehen, wie Chagall es formulierte, «glückliche Visionen einer wünschbaren Welt». Etwa in die Entstehungszeit dieses Ge- mäldes fällt zum einen die Fertigstellung des berühmten fünfteiligen Glasfenster-Zyklus im Zürcher Fraumünster, zum anderen konnte sich der Künstler über die Eröff- nung des Musée National Marc Chagall in Nizza freuen, der grössten öffentlichen Sammlung seiner Werke. Chagall konnte imhohen Alter die Früchte seines bis zu seinem Tod 1985 arbeitsreichen Lebens ernten und wurde in zahlreichen Einzelausstellungen weltweit geehrt. Bouquet d'été. 1973. Öl auf Leinwand. 92 × 73 cm. Schätzung: CHF 800 000/1 400 000 © 2021, ProLitteris, Zürich
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