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8 1 Teile eines vergoldeten Kupferservices der Manu- faktur Demidoff. Russland, Ural, um 1760/70. H 19/26/33 cm. Schätzung: CHF 30 000/50 000 (die Teile werden einzeln angeboten) 2 Kommode mit Boulle Marketerie, Louis XIV, Paris um 1710. Wohl von Nicolas Sageot. 132 × 67,5 × 81 cm. Schätzung: CHF 80 000/120 000 3 B edeutende Bibliothek-Vitrine mit Boulle- Marketerie. Paris, 2. Hälfte 18. Jh. In der Art von Nicolas Sageot, Arbeit evtl. Levasseur oder Montigny. 178 × 56 × 298 cm. Schätzung: CHF 200 000/300 000 Vorschau auf die Auktion Decorative Arts vom 31. März 2022 Die Kunst der Marketerie In unserer März-Auktion dürfen wir eine Kommode mit Boulle-Marketerie präsentieren, reich eingelegt in rotem Schildpatt, Perlmutt, gefärbtem Horn sowie graviertem Messing mit Motiven (Abb. 1), die sich an Entwürfen von Jean Bérain d. Ä. orientieren. Eine genauere Zuschreibung solch früher Möbel mit Einlegearbeiten in der Art von André-Charles Boul- le ist nicht einfach, da die meisten Stücke aus dieser Epoche nicht signiert sind. Zudem wurden die Intar- sienarbeiten von spezialisierten Handwerkern aus- geführt. Das erklärt das Erscheinen gleicher oder sehr ähnlicher Marketerien auf Möbeln unterschied- licher Ebenisten, daneben aber auch die Tatsache, dass die Furnierentwürfe nicht immer ganz stimmig auf die Proportionen des Möbelkorpus abgestimmt sind. Geoffrey de Bellaigue kommt in einer Untersu- chung über die Arbeit der «marqueteurs» im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts zumSchluss, dass diesen häufig die Urheberrechte an den Entwürfen zukamen und sie die ausgeführten Arbeiten an verschiede- ne Ebenisten verkauften. Diese Praxis dürfte in der Zeit von Louis XIV. im ausgehenden 17. Jahrhundert ihren Anfang genommen haben (Geoffrey de Bell aigue, «Engravings and The French Eighteenth-Centu- ry Marqueteur», in: The Burlington Magazine, Mai 1965, S. 240–250, sowie Juli 1965, S. 357–362). Die Kommode aus unserer Auktion schreiben wir da- her mit gewisser Vorsicht der Werkstatt des in Paris ansässigen Kunsttischlers Nicolas Sageot zu, der sei- ne Meisterwürde 1706 erhielt. Von Sageot sind vier Möbel mit Boulle-Marketerie überliefert, die eine Sig- natur aufweisen. Ein Schreibpult «Mazarin», das in der Königlichen Sammlung in Stockholm bewahrt wird, ein Vitrinenschrank (1988 verkauft bei Drouot Paris) so- wie zwei Halbschränke (verkauft bei Christie’s Mona- co, 1992). Die beiden ersten zeigen eine Marketerie in rot gefärbtem Schildpatt und Messing in der Art von Bérain. Die Marketerie auf dem Blatt unserer Kommo- de ist derjenigen des Stockholmer Pultes sehr ähnlich. Auch sprechen die vorwiegend in Weichholz ausge- führte Konstruktion sowie die verwendeten Bronze- zierteile für eine mögliche Urheberschaft Sageots. Ein weiteres Highlight unserer Versteigerung vom 31. März ist eine herausragende Büchervitrine mit Messingeinlagen auf Ebenholz (Abb. 3), die ebenfalls Nicolas Sageot zugeschrieben wurde (Auktion Chris- tie’s New York, 2006). Auf Grund der Konstruktion sowie der verwendeten Bronzezier datieren wir diese Arbeit eher in die zweite Hälfte des 18. Jarhunderts, in der Ebenisten wie Etienne Levasseur (Meister 1767) oder Philippe-Claude Montigny (Meister 1777) für ein eigentliches Boulle-Revival sorgten, indem sie Boulle- Möbel im Stil Louis XIV. nachahmten. Eine genauere Zuschreibung bleibt jedoch auch in diesem Fall eine grosse Herausforderung. FÜR WEITERE INFORMATIONEN DECORATIVE ARTS Stephan Koller skoller@kollerauktionen.ch ONLINE-KATALOGE www.kollerauktionen.ch 1 2
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