KOLLER VIEW 01/24

15 pre view. 02 3 4 2 Figuren und Landschaften mit Charakter Vorschau auf die Auktion Gemälde des 19. Jahrhunderts vom 22. März 2024 Nach seiner Ausbildung bei Joannes Breckenheimer in Den Haag eröffnete Andreas Schelfhout 1815 dort sein eigenes Atelier. Bereits drei Jahre später wurde er Mitglied der neu gegründeten Akademie der Bildenden Künste. Schelfhout zeichnete in der freien Natur, die Gemälde entstanden später vor allem im Atelier. Zunächst konzentrierte sich der Künstler auf Sommer- und Strandlandschaften sowie Tier- ansichten, bevor er sich auf Wintermotive spezialisierte, die damals wie heute zu seinen gefragtesten Werken zählen (Abb. 4). Schelfhouts Todesjahr 1870 markiert das Ende der Romantik in Holland. Die Ansicht von Reval, der heutigen estnischen Hauptstadt Tallinn (Abb. 1), ist ein herausragendes Werk des russischen Landschaftsmalers Ivan Konstantinovich Aivazovsky, das sich lange Zeit in Privatbesitz befand und nunwieder auf den Kunstmarkt gelangt. Es stammt aus der mittleren Schaf- fensphase Aivazovskys und damit aus einer Zeit, in der er bereits internationales Ansehen genoss. Zar Nikolaus I. von Russland oder auch Papst Gregor XVI. hatten bereits einige seiner Werke erworben. Fasziniert von der heimatlichen Na- tur, unternahm Aivazovsky immer wieder Studienreisen und schuf dabei eindrucksvolle Ansichten des Baltikums. Eduard von Grützners grossformatiges Gemälde ‹Der Sonntagsjäger› (Abb. 3) entstand 1880 auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens, als der Künstler in den höchsten Kreisen der Münchner Gesellschaft verkehrte. Grützners Fähigkeit, charakterstarke Figuren darzustellen, verbindet sich in diesem Bild mit seinem Sinn für subtilen Humor. Corot greift mit seinem poetischen Genrebild ‹Jeune femme jouant de la mandoline dans l'atelier› (Abb. 2) ein seit der Renaissance bekanntes Sujet auf, das vor allem in seiner Lichtstimmung an die Darstellungen der niederländischen Meister des Goldenen Zeitalters erinnert. Corot hat das Mandoline spielendeModell, das hier in seinemAtelier zu se- hen ist, mehrfach gemalt. Das Gemälde entstand in Erinne- rung an Corots Italienreisen in den 1820er- und 1830er-Jah- ren, von denen er in seinen schriftlichen Zeugnissen immer wieder schwärmte. 1 I van Konstantinovich Aivazovsky (1817–1900). Ansicht von Reval, Estland. 1845. Öl auf Leinwand. 59 × 81 cm. Schätzung: CHF 900 000/1 400 000 2 J ean-Baptiste Camille Corot (1796–1875). Jeune femme jouant de la mandoline dans l'atelier. Öl auf Holz. 44 × 33,3 cm. Schätzung: CHF 120 000/180 000 3 E duard von Grützner (1846–1925). Im Wirtshaus, der Sonntagsjäger. Öl auf Leinwand. 87 × 108,5 cm. Schätzung: CHF 100 000/150 000 4 A ndreas Schelfhout (1787–1870). Winterlandschaft mit zugefrorenem Fluss. Öl auf Holz. 51,5 × 82 cm. Schätzung: CHF 60 000/80 000 Für weitere Informationen Gemälde des 19. Jahrhunderts KarolineWeser weser@kollerauktionen.ch Online-Kataloge www.kollerauktionen.ch

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