KOLLER VIEW 01/26
02 pre view. 10 Der Zürcher Johann Heinrich Füssli fand ab den 1760er- Jahren in London seine künstlerische Heimat. Dort wur de er 1790 Vollmitglied der Royal Academy und 1799 Professor für Malerei. Seine Stellung in der Londoner Kunstszene brachte ihm zahlreiche bedeutende Auf träge ein, darunter Beiträge zur Boydell Shakespeare Gallery. Füsslis Interesse an Literatur prägte sein Werk nachhaltig: Neben Shakespeare beschäftigte er sich intensiv mit Texten von John Milton, Christoph Martin Wieland und anderen. Das nun zur Auktion stehende Gemälde entstand 1803 als Vorlage für einen Stich von William Sharp (Abb. 3). Es illustriert eine Schlüsselsze ne aus einem Essay von Eustace Budgell, erschienen 1712 in der damals noch jungen Zeitschrift «The Specta tor». Budgell kritisiert darin die Neigung von Gelehrten, Wissen geheim zu halten, und verweist auf die Legen de des Christian Rosenkreutz. Füssli zeigt den dra matischen Moment des Eindringens in dessen Gruft: Ein gepanzerter Wächter zerstört die «ewige Lampe», Sinnbild des verborgenen Wissens. Mit kraftvoller Fi gurenzeichnung und effektvoller Lichtregie verdichtet Füssli literarische Allegorie und malerische Dramatik. Das Gemälde gehörte ab 1976 zur Sammlung Thys sen-Bornemisza. Bis 1993 war es in der Villa Favorita in Castagnola ausgestellt, bevor es in Schweizer Privat besitz überging. Nun kehrt dieses bedeutende Werk in die Öffentlichkeit zurück. Ein bislang unbekanntes Gemälde von François Bou cher aus altem Familienbesitz stellt eine bedeutende Neuentdeckung für die französische Kunst des 18. Jahrhunderts dar (Abb. 1). Es zeigt die Hochzeit von Ariadne und Bacchus, ein beliebtes Motiv der antiken Mythologie. Nachdem Theseus Ariadne auf Naxos verlassen hatte, fand sie im Weingott Bacchus einen neuen Gefährten. Boucher gestaltet die Szene als Bac chanal mit Satyrn, Mänaden, Putti und den ikonischen Leoparden. Die Grisaille verweist auf eine Entstehung um 1750 und steht in engem Zusammenhang mit Bou chers Entwürfen für die Königliche Teppichmanufaktur Beauvais. Das Werk zählt zu den reifen Schöpfungen des Künstlers und dürfte einst im Umfeld von Madame de Pompadour zu finden gewesen sein. Für Jean-Honoré Fragonards «Tête de vieillard chauve» ist die Provenienz bis ins Jahr 1793 belegt (Abb. 2). Ei Bildwelten als Bühne Vorschau auf die Auktionen Gemälde und Zeichnungen Alter Meister und des 19. Jahrhunderts vom27. März 2026 Für weitere Informationen Gemälde Alter Meister & des 19. Jh. Karoline Weser weser@kollerauktionen.ch Zeichnungen Franz-Carl Diegelmann diegelmann@kollerauktionen.ch Online-Kataloge www.kollerauktionen.ch 1 François Boucher (1703–1770). Hochzeit von Ariadne und Bacchus auf der Insel Naxos. Grisaille. Öl auf Leinwand. 41 × 80,5 cm. Schätzung: CHF 200 000/300 000 2 Jean-Honoré Fragonard (1732–1806). Tête de vieillard chauve. Nach 1767. Pinsel in Braun über schwarzer Kreide. 35 × 27,8 cm. Schätzung: CHF 20 000/30 000 ner der berühmten Vorbesitzer der Zeichnung war der avantgardistische Pariser Modeschöpfer und Kunst sammler Jacques Doucet (1853–1929). 3 Johann Heinrich Füssli (1741–1825). Das Grab des Rosicrucius. 1803. Öl auf Leinwand. 92 × 77,5 cm. Schätzung: CHF 150 000/250 000 1 2
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