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5 Vorschau auf die Auktionen Dekorative Kunst und Gemälde Alter Meister vom 30. und 31. März 2023 Sinn und Sinnlichkeit FÜR WEITERE INFORMATIONEN SILBER Corinne Koller ckoller@kollerauktionen.ch GEMÄLDE ALTER MEISTER Karoline Weser weser@kollerauktionen.ch ONLINE-KATALOGE www.kollerauktionen.ch Seit der Antike wurden die fünf Sinne als Zugang des Menschen zu seiner Umgebung verstanden. Die Sin- neswahrnehmung war im klassischen Denken auch der Ausgangspunkt für die Theorie der vier Elemente. Im Mittelalter erlangten die Sinne eine moralisierende Dimension, da es als Laster galt, sinnlichen Versu- chungen zu erliegen. Im 17. Jahrhundert schwanden dann die negativen Zuschreibungen der Sinnlichkeit. Im Blickpunkt standen nun die durch Sinneserfahrun- gen gewonnenen Erkenntnisse. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich allegorische Darstellungen der fünf Sinne in der niederländischen Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts. Hendrick Golt- zius begründete die Tradition durch eine Reihe von Stichen, in denen Personen in zeitgenössischen Ge- wändern die fünf Sinne verkörperten. Diesem Vorbild folgten im 17. Jahrhundert Künstler wie David Teniers, Joos van Craesbeeck und Simon de Vos. In einer von prächtigen Farben dominierten, grossformatigen, um das Jahr 1640 gemalten Allegorie (Abb. 2) führt uns der Antwerpener Maler Jan Cossiers in seine Welt der fünf Sinne: In der Bildmitte sitzt eine festlich ge- kleidete junge Frau, die ein Glas Wein an ihre Lippen führt, während sie den Betrachter fixiert: Sie verkör- pert den Geschmackssinn. Rechts im Vordergrund hebt eine Frau eine Nelke an ihre Nase, um den Geruchssinn zu symbolisieren. Das Hören wird durch den Mann verkör- pert, der am linken Bildrand auf seiner Laute spielt. Das sich umarmende Paar im Hintergrund rechts symbolisiert den Tastsinn. Die hinter einem Vorhang stehende Frau schaut den Betrachter an, sie steht für den Sehsinn. Just zur selben Zeit, in den Jahren 1636–39, schuf der Nürnberger Sil- berschmied Johann III. Wolff eine Ver- meil-Kanne mit Becken (Abb. links), die der allegorischen Szene von Cossiers 1 D etail: Vermeil-Kanne mit Becken. Nürnberg, um 1636–39. Meistermarke Johann III. Wolff. H 24,5 cm. 1750 g. Schätzung: CHF 60 000/80 000 2 J an Cossiers (1600–1671). Allegorie der fünf Sinne. Öl auf Leinwand. 113 × 155,5 cm. Schätzung: CHF 400 000/600 000 3 J an Brueghel d. J. (1601–1678). Ruhe auf der Flucht nach Ägypten. Öl auf Kupfer. 23,5 × 30 cm. Schätzung: CHF 70 000/100 000 nachgerade entnommen sein könnte. Die Herkunft dieser Preziose lässt sich bis ins 19. Jahrhundert zu- rückverfolgen. Sie stammt aus dem Besitz eines alten Nürnberger Patriziergeschlechts, der FamilieHarsdorf von Enderndorf, deren wohl bekanntester Vertreter Georg Philipp Harsdörffer war, ein einflussreicher Ge- lehrter der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Kannemit Becken bereits mehrere Jahrhunderte im Besitz dieser Fami- lie befunden hat. Ein charakteristisches Beispiel für das Schaffen Jan Brueghels d. J. ist eine qualitätsvolle Darstellung der Heiligen Familie auf der Flucht nach Ägypten – eine Komposition, die ganz augenscheinlich vom väter- lichenŒuvre Jan Brueghel d. Ä. geprägt ist (Abb. 3). 2 3
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