KOLLER VIEW 1/25

02 pre view. 8 Eine Sammlung von 29 Keramiken aus der westana- tolischen Stadt Iznik, zusammengetragen von einem Genfer Kunstliebhaber, ist einer der Höhepunkte unserer kommenden Auktion Decorative Arts (Abb. 4). Die meist polychromen Teller repräsentieren das osmanische Kunsthandwerk des späten 16. und des 17. Jahrhunderts. Typisch für beide Jahrhunderte sind die stark stilisierten Bordüren mit brechenden Wellen auf den umlaufenden Tellerfahnen. Die ältesten erhaltenen Stücke sind mit ihrem blauen Dekor an die Keramik der frühen Ming-Zeit angelehnt. Iznik-Keramik war am osmanischen Hof sehr beliebt und ist heute in den be- rühmten Sammlungen der grossen Museen der Welt vertreten. Neben Tellern, Krügen und Lampen stellten die Keramiker auch Fliesen her, die vor allem bei der dekorativen Aus- kleidung von Palästen und Moscheen Verwendung fanden. Der Formenschatz der Iznik-Dekore fand eine weite geografische Verbreitung zwischen Balkan, Maghreb und Ägypten. Die Öllampe in Form eines Akrobaten ist ein Bronze- guss, der aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts stammt und in Padua angefertigt wurde (Abb. 3). Vorbilder für groteske Darstellungen dieser Art wa- ren Bronzen des Bildhauers und Architekten Andrea Riccio oder auch Kleinplastiken von Severo Calzetta da Ravenna. Unser Lämpchen zeigt einen Kontorsionis- ten in akrobatischer Haltung, die Beine nach oben ge- streckt, den Kopf zwischen die Beine geklemmt. Severo Calzetta da Ravenna, über dessen Leben und Schaffen in den Jahrzehnten um 1500 nur wenig bekannt ist, könnte der Schöpfer des stehenden Hengstes gewesen sein, der um 1530 in Norditalien in Bronzegegossenwurde (Abb. 2). Solchemajestätischen Darstellungen aus der Epoche der Hochrenaissance dürften von den hellenistischen Bronzepferden von San Marco in Venedig inspiriert worden sein. Ein besonders schönes Detail ist der elegant mit einem Band zusammengehaltene Schweif des Tieres. 1 Lackiertes Kabinett. Venetien, 17. Jh. 44,5 × 30,5 × 48 cm. Schätzung: CHF 40 000/60 000 2 Hengst. Norditalien, um 1530. Wohl Severo da Ravenna oder Andrea Briosco. Bronze. H 24 cm. Schätzung: CHF 20 000/30 000 Für weitere Informationen Decorative Arts Stephan Koller skoller@kollerauktionen.ch Online-Kataloge www.kollerauktionen.ch 3 Öllampe in Form eines Akrobaten. Padua, frühes 16. Jh. Nach einem Vorbild von Andrea Riccio oder Severo da Ravenna. H 24,5 cm. Schätzung: CHF 10 000/15 000 4 Sammlung von Iznik-Keramiken. Türkei, 16.–17. Jh. 2 3 1

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