KOLLER VIEW 2/23
INTER 26 Herr Koller, wie kam es dazu, dass Ihr Auktionshaus ein T. rex-Skelett versteigert? Cyril Koller: In den Auktionen «Out of This World» bieten wir zusammen mit Christian Link seit 2022 Meteoriten und Fossilien sowie Memorabilia aus Pop, Wissenschaft, Film und Raumfahrt an. Für ein Aukti- onshaus unserer Grösse, mit über 70 Mitarbeitenden, ist es wichtig, neue Wege zu gehen. Wunderkammer- Objekte wurden bereits vor 500 Jahren gesammelt. Früher waren es seltene Muscheln, heute sind es Me- teoriten vom Mars oder viele Millionen Jahre alte Fos- silien. Die Erzählung bleibt dieselbe, es geht um die Vielfalt und Wunder der Natur. Herr Koller, Herr Link, an welchen T. rex-Moment aus den letzten Wochen werden Sie sich in ein paar Jah- ren vermutlich immer noch erinnern? Christian Link: Die Stunden in der Tonhalle mit Tau- senden faszinierten Menschen um den T. rex werde ich nicht vergessen. Diese überra- schende Verbindung des traditions- reichen Kulturortes mit einem Millio- nen Jahre alten Fossil hatte ihren ganz besonderen Reiz. CK: Erst als ich das komplett aufge- baute Skelett zum ersten Mal im Zür- cher Fotostudio sah, realisierte ich wirklich, was wir da anbieten. Es war ein gigantischer Anblick! Sofort haben wir uns entschieden, Trinity einer mög- lichst breiten Öffentlichkeit zu zeigen. Trinity war erst das dritte T. rex-Skelett weltweit, das zur Versteigerung kam. Wie haben sie den Schätz- preis festgelegt? CK: Das war sehr schwierig, zumal Trinity kaummit den anderen T. rex-Skeletten vergleichbar ist, die zuvor ver- steigert worden waren. Bei den beiden Vorläufern ‹Sue› und ‹Stan› handelte es sich um die Fossilien jeweils eines Tieres. Der Anteil an originalem Knochenmate- rial lag bei beiden zudem erheblich höher als bei Trinity. Wir haben uns deshalb auch an den Preisen anderer Dinosaurierskelette orientiert, die in den vergangenen Jahren versteigert wurden und sounsereVorstellungen mit denjenigen des Einlieferers in Einklang gebracht. Die Ausstellung des Skeletts in der Tonhalle war ein Coup. Wie haben die Menschen dort auf Trinity re- agiert? CL: Wir konnten Trinity in der Zürcher Tonhalle wäh- rend insgesamt 42 Stunden präsentieren. Vor Ort zog Trinity alle in ihren Bann! Etwa 30000 Menschen haben das Skelett gesehen, darunter viele Eltern und Gros- selternmit ihren Kindern und Enkeln. Ich glaube, Trinity hat vielen grosse Freude bereitet. Im Vorfeld der Auktion gab es Kritik daran, dass ein für die Wissenschaft wertvolles Skelett in Privat- hände gelangen und so aus der Öffentlichkeit ver- schwinden könnte. CK: Dass private Sammler ihre Schätze vor der Öffent- lichkeit verbergen und in einemdunklenZimmer vor der Wissenschaft verstecken, ist ein Klischee. Ich kenne keinen Sammler, der sich nicht freut, seineWerke in der Öffentlichkeit auszustellen oder der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. Bei Trinity geht diese Diskussion aber ins Leere. Die Fossilien wurden in den USA legal ausgegraben und zu Trinity zusammengestellt. Ohne private Initiative hätte es Trinity also nie gegeben. Cyril Koller und Christian Link schauen zurück auf die T.Rex-Auktion vom April Trinity: Einmalige Reise mit Happy End «Trinity ist eine der be- eindruckendsten Mon- tagen, die ich je gesehen habe. Ihre Qualität er- weckt das Exemplar, das vor Millionen von Jahren lebte, zu neuem Leben.» Dr. Hans-Jakob ‹Köbi› Siber, Paläontologe und Direktor des Sauriermuseums Aathal Foto: Keystone / Michael Buholzer Foto: Urs Jaudas
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