KOLLER VIEW 2/24

Für weitere Informationen Asiatica Regi Preiswerk asiatica@kollerauktionen.ch Online-Kataloge www.kollerauktionen.ch Heldentaten und Zufallsfunde Vorschau auf die Asiatica-Auktion vom18. Juni 2024 Zu den Höhepunkten der kommenden Asiatica-Auk- tion zählt ein Paar japanische Paravents der Hasega- wa-Schule in Kyoto, deren Gründer Hasegawa Tôhaku zu den berühmtesten Künstlern Japans überhaupt zählt (Abb. 1). Die Darstellungen mit prächtigem Blattgold zeigen eine bekannte Szene aus dem Heike-Monoga- tari («Erzählungen von den Heike»). Während der Krie- ge zwischen den Clans der Minamoto (Genji) und der Taira (Heike) in den 1180er-Jahren wurde die Uji-Brücke absichtlich unpassierbar gemacht, um den Byôdôin- Tempel vor Eindringlingen zu schützen. Während sich das Minamoto-Heer noch beriet, preschten zwei seiner Krieger, Kajiwara Genta Kagesue und Sasaki Shirô Ta- katsuna vor, um jeweils als erster den Fluss zu durch- queren. Die beiden grossformatigen Paravents halten die dramatische Szene fest: Während sich die Krieger auf ihren Pferden wild entschlossen in den Fluss stür- zen, bilden die Brücke und der reissende Fluss das ver- bindende Element. Lin Fengmian zählt zu den bedeutendsten Vertretern der modernen chinesischen Malerei. Das von uns an- gebotene Gemälde zeigt den Affenkönig Sun Wukong und sein Gefolge im Opernstück «Tumult im Himmel», das nach dem berühmten mingzeitlichen Roman «Rei- se in den Westen» adaptiert wurde (Abb. 4). Tragischer- weise verlor Lin Fengmian einen grossen Teil seines Œuvres im Japanisch-Chinesischen Krieg der Jahre 1937 bis 1945. Und unter dem politischen Druck der Kulturrevolution zerstörte er selbst Hunderte seiner Werke. Nach fast fünfjähriger Gefängnishaft emigrierte er 1977 nach Hongkong und schuf dort einen Teil sei- nes verlorenen Werkes neu. Ein Siegel auf dem Gemäl- de weist es aber den frühen Jahren zu. Ein Schweizer Sammler, der seit Jahrzehnten die Zür- cher Flohmärkte durchstöbert, stiess vor etwa zehn Jahren auf das Bild und war von dessen Dynamik be- geistert. Obwohl er den Künstler nicht kannte, erwarb er es und trug es zufrieden nach Hause. Der langen Reise des Gemäldes wird nun eine weitere Etappe hin- zugefügt, wenn es in unserer Juni-Auktion einem Pub- likum angeboten wird, das sich für solche Werke des modernen Meisters begeistert. 1 Stellschirmpaar der Hasegawa-Schule. Japan, frühes 17. Jh. 154 × 356 cm. Schätzung: CHF 80 000/120 000 2 Ganesha aus schwarzem Stein. Indien, Bihar, Pala-Periode, 9. Jh. H 78,5 cm. Schätzung: CHF 30 000/50 000 3 Stehender Buddha. Grauer Schiefer. Gandhara, 2./3. Jh. H 85 cm. Schätzung: CHF 25 000/35 000 4 Lin Fengmian (1900–1991). Der Affenkönig. Mischtechnik auf Papier. 69 × 65 cm. Schätzung: CHF 180 000/250 000 4 pre view. 02 25

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