KOLLER VIEW 2/24

pre view. 02 5 Cuno Amiet und Ferdinand Hodler sind mit bedeuten- den Gemälden in unserer Juni-Auktion Schweizer Kunst vertreten. Ein Porträt repräsentiert eine der prägends- ten Schweizer Künstlerfreundschaften: Ferdinand Hodler, gemalt von Cuno Amiet. Das Bildnis, das Amiet 1898 anfertigte, vereint in sich wesentliche Aspekte der Schweizer Moderne (Abb. 1). In Auftrag gegeben ist es von Oscar Miller, einem der einflussreichsten Schwei- zer Kunstsammler. Miller war Direktor der Papierfabrik Biberist und begann 1896, eine Sammlung zeitgenössi- scher Kunst aufzubauen. Hodler und Amiet lernten sich 1893 kennen, als Hodler bereits ein etablierter Künstler im Alter von 40 Jahren war, während Amiet mit 25 Jahren noch am Beginn sei- ner Karriere stand. Amiet bewunderte Hodlers Arbeit und liess sich von ihm inspirieren, was zu einem regen Austausch zwischen den beiden führte. Im September 1897 besuchte Oscar Miller gemeinsammit Hodler und dem Berner Maler Fritz Widmann das Atelier von Cuno Amiet in Solothurn. Dieser Begegnung folgten mehrere Besuche Amiets bei Hodler, der damals in einemAtelier im Berner Zeughaus an den Kartons zu den umstritte- nen Fresken fürs Zürcher Landesmuseum arbeitete. Im Hintergrund des von Amiet gemalten Hodler-Porträts sind Teile der grossformatigen Entwürfe zu erkennen. Amiet suchte Hodler an mehreren Abenden auf, um eine erste Porträtfassung zu malen. Später übertrug er das vor Ort entstandene Motiv auf ein etwas kleine- res Format, das «offizielle» Bildnis. Miller erwarb das zweite Bild, während das erste bei Amiet verblieb – vor- erst jedenfalls. Wenige Jahre später trat Miller mit dem Wunsch an Amiet, das «offizielle» zweite gegen das in Hodlers Atelier spontan gemalte erste Bild einzutau- schen. Später verkauften beide ihren eingetauschten Hodler: Miller das erste an Willy Russ-Young (das jetzt angebotene Bild), Amiet das zweite an Gertrud Dübi- Müller (Kunstmuseum Solothurn). Die beiden eng ver- wandten Hodler-Bildnisse sind bedeutende Dokumen- te der Schweizer Kunstgeschichte. Ein weiteres bemerkenswertes Werk in der Auktion ist Ferdinand Hodlers «Genfersee mit Jura» aus dem Jahr 1911 (Abb. 3). Dieses Gemälde gehört zu einer Serie von Landschaftsbildern, die Hodler ab 1908 anfertigte und die durch ihre formale Reduktion auffallen. In dieser mittelgrossen Version bewegt sich Hodler in Richtung einer immer stärker abstrahierten Darstellung, indem er parallel verlaufende Farbflächen setzt. Hodler unter- scheidet noch zwischen Ufer, See, ferner Jurabergkette und Himmel, verzichtet jedoch auf eine detaillierte Aus- arbeitung dieser horizontalen Elemente. Das Ergebnis ist eine kraftvolle und zugleich ruhige Bildwelt. 1 Cuno Amiet (1868–1961). Bildnis Ferdinand Hodler vor seinemMarignano-Bild, 1. Fassung. 1898. Tempera und Öl auf Leinwand. 76 × 52,5 cm. Schätzung: CHF 250 000/400 000 Kurzfilm: Interview mit Franz Müller, Autor des Werkverzeichnisses Für weitere Informationen Schweizer Kunst Laura Koller & Cyril Koller lkoller@kollerauktionen.ch Online-Kataloge www.kollerauktionen.ch 2 Cuno Amiet (1868–1961). Der Rosenstock. 1916. Öl auf Leinwand. 46 × 38 cm. Schätzung: CHF 70 000/110 000 3 Ferdinand Hodler (1853–1918). Genfersee mit Jura. Um 1911. Öl auf Leinwand. 45 × 71 cm. Schätzung: CHF 1 600 000/2 400 000 Begegnungen: Amiet und Hodler Vorschau auf die Auktion Schweizer Kunst vom21. Juni 2024 3 2

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