KOLLER VIEW 3/23

12 1 Kleine Sammlung von Schachfiguren und Spielbrettern. 2 S chraubflasche, Danzig, um 1680. Meistermarke Johann Gottfried Holl. Schätzung: CHF 3 000/5 000 3 D eux-Corps. Renaissance, Loire-Gegend, um 1570/80. Nussbaum, Bein und Perlmutt eingelegt, mit maurischen Einflüssen. 146 × 57,5 × 220 cm. Schätzung: CHF 12 000/15 000 4 S eltene Vogelkäfiguhr mit Walzenspieldose und Automat. Restauration, Genf um 1825/30. Bronze fein ziseliert und vergoldet. H 41 cm. Schätzung: CHF 150 000/250 000 Vorschau auf die Auktion Decorative Arts vom 21. September 2023 Technisch raffiniert und äusserst selten In den Jahrzehnten zwischen 1780 und 1840 blühte eine einzigartige Schweizer Handwerkskunst: die Fer- tigung von Vogelkäfiguhren. Die Herstellung dieser exklusiven Luxusgüter erforderte das Zusammen- spiel von Uhrmachern, Bronzegiessern, Emailleuren und Musikmechanikern. Einer der herausragen- den U hrmacher und Verkäufer von Luxus- obje kten jener Zeit war Charles F. Bautte (Bau tte & Moynier), der in Genf arbeitete und für seine hochwertigen Uhren- und Sc hmuckkreationen bekannt war. Sein N amewurde in Schriften vonHonoré de Balzac erwähnt und er zählte promi- nente Kunden wie Alexandre Dumas und John Ruskin zu seinen Auftrag- gebern. Bautte & Moynier scheinen in diesem Fall jedoch nur die Ver- käufer oder auch Auftraggeber des Stückes gewesen zu sein. Der zur Auktion kommende Vogelkä- fig enthält einen automatischen Schmetterling – eine äusserst sel- tene Besonderheit (Abb. 4). Der Auf- b au des Vogelautomaten mit Fontäne, Schmetterling sowie den von Ast zu Ast hüpfenden Vögeln lassen eine Arbeit des in La Chaux- de-Fonds tätigen Uhr- und Automatenmacher Jean- David Maillardet (1748–1834) vermuten. Die im Käfig- sockel verbaute Walzenspieldose mit drei Melodien ist signiert von C.F. Nardin (aktiv 1806–1823), hingegen lässt das Uhrwerk auf das Atelier Courvoisier et Cie in La Chaux-de-Fonds (aktiv 1811–1845) schliessen. Ein früherer Besitzer dieser wertvollen Rarität war wohl der jurassische Industrielle Guido Reuge (1904– 1994), der aus einer renommierten Uhrmacherfamilie stammte. Aussergewöhnlich sind etwa 30 Schachfiguren-Sets aus zwei privaten Sammlungen. Sie repräsentieren eine breite stilistische Palette, die vom 18. Jahrhun- dert bis hin zu modernen Figuren reicht, entworfen von Künstlern wie Max Ernst oder Man Ray (Abb. 1). Zur Versteigerung kommen neben europäischen Fi- guren auch solche aus Indien, Burma und China. Da- neben kommen zwei seltene und frühe Spielkästen zum Aufruf. Eine Arbeit aus der freien Reichsstadt Eger aus der Mitte des 17. Jahrhunderts mit den für den Herkunftsort typischen und äusserst feinen Re- liefintarsien, die der Werkstatt von Samuel Eck (1604– 1664) zugeschrieben werden kann. Aus dem 16. Jahr- hundert stammt ein schön intarsierter Spielkastenmit Schachspielfeld und Tric-Trac-Spiel, der in Spanien entstanden ist und dessen Dekor Formen der mauri- schen Kultur und des Orients aufnimmt. FÜR WEITERE INFORMATIONEN DECORATIVE ARTS Stephan Koller skoller@kollerauktionen.ch ONLINE-KATALOGE www.kollerauktionen.ch 1 2 3

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