KOLLER VIEW 3/23

Vorschau auf die Auktion Gemälde Alter Meister vom 22. September 2023 Gold, Weihrauch undMyrrhe 1 P ieter Brueghel d. J. (1564–1638). Anbetung der Heiligen drei Könige. Öl auf Holz. 111,5 × 159,4 cm. Schätzung: CHF 2 000 000/3 000 000 2 A ntwerpener Manierist, um 1515–20. Flügelaltar. Öl auf Holz. Mitteltafel 84,5 × 68,3 cm, Seitentafeln je 86 × 28,5 cm. Schätzung: CHF 90 000/120 000 Pieter Brueghel d. J. stellt in seinem Werk «Anbetung der heiligen drei Könige», das vermutlich vor 1616 ent- stand, eine immense Menschenmenge dar, die sich um das Christuskind versammelt (Abb. 1). Arrangiert ist die Szene ganz im Geist der Malerei seines Vaters, Pieter Brueghel d. Ä. (1527/30–1569). Die Darstel- lung ist bevölkert von zahlreichen Figuren und eröff- net die Möglichkeit, Menschen und Tiere in episodenhaften Zu- sammenhängen mit individuellen Merkma- len zu präsentieren. Jesus, Maria und Josef befinden sich nicht nur in der Mitte des Ge- mäldes, sondern wer- den vor allem durch die einfühlsam darge- stellte Zuneigung der Umstehenden in den Fokus gerückt. ImBild- hintergrund scheint sich das alltägliche Geschehen zu entfalten, doch je näher die Menschen der bescheidenen Behausung mit dem Jesuskind kommen, desto stärker sind sie von dieser Begegnung ergriffen. Der erste Entwurf für diese Komposition stammt vom Vater Pieter Brueghel d. Ä. und befindet sich in den Musées Royaux des Beaux-Arts in Brüssel (Inv.- Nr. 3929). Die Bildgestaltung mit einem hoch an- gesetzten Horizont und scheinbar willkürlich über die Bildfläche verteilten Menschenmassen wurde bereits im 16. Jahrhundert etabliert. Pieter Brue- ghel d. J. griff diese Komposition erneut auf, um der immensen Nachfrage und Popularität dieses Motivs gerecht zu werden. Durch seine meisterhafte Um- setzung hob sich Pieter Brueghel d. J. von Künstlern im Umfeld und der Nachfolge des Brueghelschen Stils ab. Er erlangte neben seinem Bruder, dem «Blumenbrueghel» Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625), grosse Anerkennung. Ein komplett erhaltener Flügelaltar mit der Anbe- tung der Heiligen Drei Könige (Abb. 2) greift einen bekannten Altartypus auf, der mit dem Œuvre des Antwerpener Malers Jan de Beer (um 1475–1528) in Verbindung steht. Der Maler unseres Flügel­ altars könnte ein Künstler aus einer anderen Ant- werpener Werkstatt gewesen sein; viele Details unserer zentralen Tafel sind De Beers Malerei sehr eng verwandt. 3 1 2 FÜR WEITERE INFORMATIONEN GEMÄLDE ALTER MEISTER Karoline Weser weser@kollerauktionen.ch ONLINE-KATALOGE www.kollerauktionen.ch

RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2