KOLLER VIEW 03/26

pre view. 02 3 Pieter Brueghel der Jüngere und sein jüngerer Bruder Jan Brueghel der Ältere waren Mitglieder einer der be- deutendsten Maler-Dynastien Flanderns im frühen 17. Jahrhundert. Auf verschiedene Art traten sie in die Fuss- stapfen ihres berühmten Vaters Pieter Brueghel dem Älteren (um 1525/30–1569), dessen künstlerisches Schaffen einen Höhepunkt der flämischen Malerei bil- det. Pieter Brueghel d. J. führte die von künstlerischen Innovationen geprägte Arbeit seines Vaters in enger Anlehnung an dessen Motivik und Malstil fort. Mit neuen Fassungen von dessen Bildkompositionen be- gründete er seinen eigenen Ruhm. Im Unterschied dazu legte Jan Brueghel d. Ä. den unmittelbaren Bezug zur Arbeit des Vaters früh ab und entwickelte seinen eigenen, miniaturhaften Stil. Am Ende seines reichen Künstlerlebens zählte er zu den bedeutendsten Kabi- nettbildmalern Antwerpens. Das um 1626 zu datierende Gemälde eines Dorffestes im und vor demWirtshaus zum Schwan von Pieter Brue- ghel d. J. lebt von seinen erzählerischen Details. Meis- terhaft dargestellte, kleine Episoden illustrieren die aus- gelassene Stimmung des Fests: Alle Feiernden haben sich hübsch gekleidet, es wird reichlich getrunken, es gibt manchen Disput und ein Schwein sucht das Weite (Abb. 1). Auffallend ist die Farbenfreude, mit der Brue- ghel die Szenerie und vor allem die Kleider der Darge- stellten gemalt hat. Vor dem Hintergrund des Dorfes in unterschiedlichen Brauntönen leuchten die Personen ganz besonders intensiv und ziehen die Blicke auf sich. Neben der Signatur des Künstlers, der sich ab 1616 «Breughel» schrieb, gibt die Marke des Tafelmachers auf der Rückseite einen wertvollen Hinweis auf die Ent- stehungsgeschichte des Bildes. Es handelt sich um das Meisterzeichen von Michiel Vrient (1615–1637), der 1615 Meister der Antwerpener Tafelmacherzunft wurde. Beim Landschaftsbild mit Reisenden von Jan Brueghel d. Ä. fällt die genaue Datierung ungleich leichter, da der Künstler das Gemälde nicht nur signiert, sondern auch mit dem Entstehungsjahr 1606 bezeichnet hat (Abb. 2). Das Motiv stammt aus einer kleinen Folge von Male- reien, die jeweils eine Gruppe von Menschen in einer idealisierten Landschaft zeigen. In dem Bild auf Kupfer aus unserer September-Auktion begegnen sich ver- Zwei Werke zweier Brüder Vorschau auf die Auktion Gemälde Alter Meister vom18. September 2026 1 Pieter Brueghel d. J. (1564–1638). Das Wirtshaus zum Schwan. Um 1626. Öl auf Holz. 44 × 62,8 cm. Schätzung: CHF 600 000/900 000 Für weitere Informationen Gemälde Alter Meister Karoline Weser weser@kollerauktionen.ch Online-Kataloge www.kollerauktionen.ch 2 schiedene gesellschaftliche Schichten und es offenbart Brueghels Talent, feinste Details präzise darzustellen. Hier wie beim zuerst beschriebenen Bild gibt die Mar- ke des Herstellers des Bildträgers weiteren Aufschluss. Die von Peter Staas (1565–1616) gefertigten Kupferta- feln zählten zum qualitativ Besten, was Antwerpen für die Maler jener Epoche zu bieten hatte. Beide Brüder waren Mitglieder der Antwerpener Lukas- gilde und ihre Werke erfreuten sich grosser Beliebtheit im Kreis einer wohlhabenden Kundschaft. Während Pieter das Erbe seines Vaters nahtlos fortsetzte und mit einem umfangreichen Œuvre einen vergleichsweise breiten Markt bediente, erfuhr Jan insbesondere durch eine Reise nach Italien neue Einflüsse. Viele Käufer sei- ner exklusiven und teuren Werke – darunter Landschaf- ten, Blumenbilder aber auch mythologische Szenen und Allegorien – gehörten zur europäischen Aristokra- tie. Heute befinden sich die Werke der beiden Brüder in den namhaftesten Kunstsammlungen der Welt, von der Eremitage in St. Petersburg bis zum Prado in Madrid, von der Londoner National Gallery bis zum Metropoli- tan Museum of Art in New York. 2 Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625). Weg zumMarkt. 1606. Öl auf Kupfer. 29,5 × 44 cm. Schätzung: CHF 350 000/500 000 2

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