KOLLER VIEW 03/26

7 Faszination Fayence Vorschau auf die Auktion der Sammlung Dr. Peter Ducret vom17. September 2026 «Leidenschaft» ist einWort, das oft verwendet wird, um Sammler zu beschreiben, und doch trifft es ihre eigent- liche Motivation nicht immer. Für manche Menschen ist Sammeln mehr als ein Hobby: Es ist eine Berufung. Peter Ducret, Sohn des international renommierten Porzellansammlers und -experten Siegfried Ducret, wuchs von klein auf in einer Welt des Sammelns auf. Obwohl Sammelleidenschaft keineswegs vererbbar ist, begann auch er schon früh, Schnecken, Muscheln und Fossilien zusammenzutragen. Seine Eltern förder- ten dieses Interesse, besonders seine Mutter, die ihm Naturfunde und später Fayencen schenkte. Diese Geschenke legten den Grundstein für eine le- benslange Faszination für Fayencen. Peter Ducret bereiste später die ganze Welt und hielt überall Aus- schau nach aussergewöhnlichen Stücken. Seine Toch- ter schreibt im Katalogvorwort: «Immer wieder beglei- teten wir unsere Eltern auf ihren Streifzügen durch Antiquitätenläden und Flohmärkte. Damals sprach ich noch kein Französisch, aber der Satz ‹Est-ce que vous avez de la faïence du 18 e siècle?› ging mir ganz selbst- verständlich über die Lippen.» Das Sammeln brachte Peter Ducret nicht nur grosse persönliche Freude, sondern auch zahlreiche lang- jährige Freundschaften und Bekanntschaften. Mit 1 Bedeutende Bildplatte mit einer Monatsallegorie. Künersberg, um 1760. Fayence mit Muffelfarbendekor. D 38 cm. Schätzung: CHF 20 000/30 000 1 2 Hochbedeutende Bildplatte. Fulda, um 1741–44. Bemalt von Adam Friedrich von Löwenfinck. Fayence mit Aufglasurtechnik. 18,5 cm × 15,2 cm. Schätzung: CHF 30 000/40 000 Für weitere Informationen Porzellan & Keramik Sabine Neumaier neumaier@kollerauktionen.ch Online-Kataloge www.kollerauktionen.ch wissenschaftlichem Effort erschloss er sich sämtliche Aspekte seiner Objekte: ihre Herstellungstechniken, ihre Geschichte, ihre Provenienz und ihren Platz im europäischen Kulturerbe. Seine aussergewöhnliche Offenheit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, sein Wissen weiterzugeben und seine Sammlung allen zugänglich zu machen, die sich ernsthaft dafür interes- sierten, machten ihn zu einer zentralen Persönlichkeit unter Kunstsammlern. Fayencen und ihre Erforschung wurden für ihn zu einer Quelle persönlicher Erfüllung und zugleich zu einer Bereicherung für andere. Die Sammlung Ducret umfasst eine aussergewöhn- liche Vielfalt an Fayencen des 18. Jahrhunderts in all ihren Erscheinungsformen. Einen besonderen Platz nehmen jedoch Trompe-l’œil-Fayencen ein. Der fran- zösische Begriff bedeutet wörtlich «Täuschung des Auges». Und genau das tun diese Objekte: Sie geben sich als etwas aus, das sie nicht sind, etwa als Blumen- kohl, Ente oder Spargelbündel. Doch wie entstand die- se Mode an den europäischen Fürstenhöfen? Kaum etwas fürchtete der Adel des 18. Jahrhunderts mehr als die Langeweile. Tanz, Theater und Glücksspiel aber auch Klatsch und Intrigen sorgten für Zerstreuung im oft eintönigen Hofleben. Vor allem aber begeisterte alles, was überraschte und Staunen hervorrief. Präch- tige Feuerwerke, Automaten oder Zauberkünstler wa- 2 ren stets willkommen, ebenso wie Trompe-l’œil-Kera- miken, die diese Vorliebe für das Unerwartete perfekt bedienten. Auf reich gedeckten Tafeln verbargen sich in Terrinen in Form von Gemüse, Fischen oder Vögeln Suppen aus eben jenen Zutaten oder, überraschender noch, köstliche Süssspeisen. Es verwundert daher kaum, dass diese geistreichen Schöpfungen auch Peter Ducret mehr als zwei Jahr- hunderte später in ihren Bann zogen. Seine Samm- lung umfasst zahlreiche seltene und herausragende Beispiele dieser Kunstgattung, viele davon aus der berühmten Strassburger Werkstatt der Hannon- Dynastie. Ein Paar Terrinen in Entenform, eine Tauben- terrine, Terrinen in Form von Spargelbündeln und Arti- schocken sowie zwei originelle Butterdosen in Gestalt von Schildkröten zeugen nicht nur von Peter Ducrets sicherem Gespür für Qualität und Seltenheit, sondern auch von seinem Bestreben, einen repräsentativen Überblick über diesen bemerkenswerten Zweig der Fayence-Produktion zusammenzutragen. Entstanden ist dabei eine Sammlung, die Historikern ebenso wie Liebhabern dieses Kunsthandwerks neue Einblicke eröffnet. So verband Peter Ducret zwei Bereiche, die ihn sein Leben lang faszinierten: die Natur und die Fa- yence.

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