KOLLER VIEW 4/22

17 3 2 Vorschau auf die Asiatica-Auktion vom 29. November 2022 Glockenklang amKaiserhof Eine bedeutende Bianzhong-Glocke (Abb. 4) trägt die kaiserliche Qianlong-Marke und ist auf einer Kartu- sche auf das Jahr 1745 datiert. Eine zweite Kartusche hält die Tonlage – bei wu yi – der aus mehr als 20 Ki- logramm Bronze gegossenen und feuervergoldeten Glocke fest. Sie entstammt einem Satz von 16 Ritual- glocken, mit denen zwölf Tonschritte und vier zusätz- liche Töne aus der tieferen Oktave intoniert werden konnten. Die Glocken dieser Sets, die in der konfu- zianischen Ritualmusik am Kaiserhof zum Einsatz ka- men, sind alle gleich gross, die Tonhöhe wird durch die abgestufte Dicke des Gusses variiert. Mit einer Hängerolle, auf der ein Pferd von hinten zu sehen ist, ist Xu Beihong (1895–1953), einer der be- rühmtesten chinesischen Maler des 20. Jahrhunderts, in unserer Asiatica-Auktion vertreten (Abb. 6). Xu lös- te sich als einer der ersten von der traditionellen chi- nesischen Ikonografie und ebnete damit den Weg für westliche Einflüsse. Die Jahre von 1919 bis 1927 ver- brachte Xu mit künstlerischen Studien in Europa. Die dort gesammelten Eindrücke beeinflussten seinen Stil nachhaltig. Er kombinierte chinesische Pinsel- und Tuschetechniken mit abendländischen Perspektiven und Kompositionsmethoden. Die virtuose Darstel- lung von Pferden avancierte zu seinem Lieblingsthe- ma und gilt als sein Markenzeichen. Zwei kunstvoll aus Jade gefertigte Pinselbecher (Abb. 2) stammen aus einer Westschweizer Samm- lun g, die in dritter Generation aufbewahrt wird. Die um laufend in den grünen Stein geschnittenen Dekore zei gen felsige Landschaften mit Pinienwald und ver- bor genen Pavillons. Ein Weiser wandelt von einem Die ner und zwei Kindern begleitet durch die Land- sch aft. Die dargestellten Fledermäuse symbolisieren den Wunsch nach Glück, Pinienbäume und die Pfir- sich e in den Händen der Kinder verweisen auf Lang- leb igkeit. Ei n chinesischer Bronze-Buddha (Abb. 1) in ein- d rücklicher Grösse bildete in den späten 1960er- Jahren den Grundstein einer umfangreichen Asiatica-Sammlung in Genf, zu der Objekte aus China, Japan, Indien und Südostasien zählen. Am 29. November versteigern wir davon einen ersten Teil. Die tibetische Tara (Abb. 3), Retterin in der Not, brilliert mit ihrer eleganten Erscheinung und kommt aus illustrer Quelle: Erworben wurde sie von der Zürcher Tibet-Spezialistin Berti Asch- mann, deren Sammlung seit 1995 im Museum Rietberg zu sehen ist. 5 6 4 © 2022, ProLitteris, Zurich

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